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Gedichte, Lyrik, Poesie

Weltspuk
162 Bücher



Max Dauthendey
Weltspuk . 1. Auflage 1910



Der rote Vogel und der Vogel Nacht

O, Geliebte, der Vogel Nacht wird schon flügge,
Er nimmt Dich und mich in seine griffigen Klauen,
Er trinkt den Fluß leer und bricht ab die Brücke
Und stößt das Auge aus allen Männern und Frauen.
Und er schlägt uns, es brennen die Kleider am Leibe
Und unsere Arme werden zu Stricken.
Das Finster wird ein Auge dem Mann und dem Weibe,
Und es betrachtet uns mit der Urwelt hinreißenden Blicken.
Noch einen mächtigen Vogel hörst Du sich schütteln,
Er kommt purpurn vor Deine Blicke gesprungen.
Schlagen auch die Wächter nach ihm mit Fäusten und Knütteln,
Der Rote und die Nacht, die haben Geschlechter verschlungen.
Der Rote und die Nacht, die kommen seit immer,
Finden sie Arme und Fenster und Türen nicht offen,
Keine Schlösser schließen sie aus, sie erstürmen das Zimmer,
Sie haben gewaltsam den Schaudernden getroffen.

Der Rote und die Nacht sind wie die Adler Majestäten.
Der Rote und die Nacht, die entwerten die Tage,
Wo ihre Fänge stolz vor die Sonne hintreten,
Wird das Dunkel Gebot, alles Licht eine Sage.

O, Geliebte, armselig ist Tageshelle
Dem Vogel Nacht, und dem Purpurroten;
Jeder Tag wird ein lärmender, blöder Geselle
Vor den trunken Verliebten, wie vor den Toten.


  Max Dauthendey . 1867 - 1918






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Der rote Vogel und der Vogel Nacht, Max Dauthendey