Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Weltspuk
162 Bücher



Max Dauthendey
Weltspuk . 1. Auflage 1910



Dein wandernd Haus

Sieh hinaus, wohin wandert Dein Haus?
An den Fenstern zieht der Wolken verflüchtend Gewimmel,
Als wandert Dein Haus vorbei am beweglichen Himmel;
Als wandert Dein Haus querfeldein in die gebräunten Ährenfelder,
Über die wallenden Linien der Flüsse, über die ungezähmten Wälder,
Und in Dein wandernd Haus sieht der wandelnde Himmel herein.
Sagst, Dein Haus sucht das Ende der Tage, sucht wolkenberändert
Nach dem Baum, an dem sich kein Blatt mehr verändert.
Und denke Dir aus, Dein Haus bliebe stehen!
Die Tage würden nicht mehr, wie Goldschaum
Leicht sich ablösend, an seinen Wänden fortgehen;
Dein Haus bliebe, ohne zu schallen, am Abgrund vom toten Raum;
Der Sommer ließe sich immer steifgrün durch die Fenster ansehen;
Kein Blatt würde fallen, kein kühn Ereignis geschehen,
Kein Hunger Dich würgen, keine Träne Dich anflehen; -
Glaub mir, Du jagtest die Ruhe aus Deinem Haus.
Du sehntest Dich nach dem Herbstgesaus,
Nach Schatten der Zeit, nach der Winterbitterkeit,
Nach dem rüttelnden Streit der Taten und vielem andern.
Und von der schüttelnden Sehnsucht, die Du verflucht,
Käme Dein Haus von neuem ins Wandern.


  Max Dauthendey . 1867 - 1918






Gedicht: Dein wandernd Haus

Expressionisten
Dichter abc



Dauthendey
D.e. Hochzeit. D.b. Kalender
Singsangbuch
Lusamgärtlein
Weltspuk
Lieder im Laub
Reliquien

Intern
Fehler melden!
AGB

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet







Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Dein wandernd Haus, Max Dauthendey