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Die ewige Hochzeit. Der brennende Kalender
162 Bücher



Max Dauthendey
Die ewige Hochzeit. Der brennende Kalender . 1. Auflage 1905



Januar

Rauchig ist mein trübes Herz
Wie die neblige Nacht,
Leid hat sich ein wüstes Bett
Breit in meiner Brust gemacht.

Straßen münden in die Leere,
Straßen drinnen Nebel weinen,
Selbst mein Schatten bekam Schwere,
Zieht mich zu den Pflastersteinen.

In der Luft hängt als Grimasse
Mein Gesicht steif und verquält
Wie durch blinde Nebelgasse
Formlos die Laterne schwält.

Leid schiebt Schritt um Schritt den Schuh
Und die Straße nimmt kein Ende.
Wenn ich auch den Schlaf mir fände,
Leid macht nicht sein Auge zu.




Jetzt muß sich im Himmel die Schneemühle drehn
Und Eis und Gedanken zur Erde wehn;
Jetzt müssen sich Erde, Luft, Wasser vermummen,
Nur das Feuer allein wird niemals verstummen,
Das Feuer das Tage und Nächte durch schwält
Und mit glühender Geste von der Liebe erzählt.




Alte Sterne leuchten voraus
Führen hin zu der Liebsten Haus;
Hinter geisterhaften Gardinen
Glänzt mir ihr Herz als Lämplein beim Minnen.

Heftig steigt mein Seufzen empor
Hält sie die Hand vor das Lämplein davor;
Brennend in ihren Fingern drinnen
Seh ich rot die Minne rinnen.




Ich kann mit zwei Fingern
Ihre Hüften zerdrücken,
Doch vor ihren Augen
Da muß ich mich bücken.
Meine letzte der Stunden
Ist in ihren Blicken,
Sie sind wie ein Fallbeil
Wenn sie plötzlich mir nicken.
Jede Lüge wird süß,
Jede Lüge wird wahr
Öffnet sie tändelnd
Ihr launisches Haar.
Ihr Haar ist so finster,
Es mordet das Licht,
Es brennt wie die Hand
Die die Schwüre zerbricht.
Noch ein Kind ist dies Weib
Das den Mord bei sich trägt,
Vor der mein Blut stockt
Wenn die Wimper sich regt.
Die Schneeflocken werden
Auf ihrem Mund rot,
Mein Mund der erblaßt,
Sie ist lächelnd mein Tod.


  Max Dauthendey . 1867 - 1918






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