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Die ewige Hochzeit. Der brennende Kalender
162 Bücher



Max Dauthendey
Die ewige Hochzeit. Der brennende Kalender . 1. Auflage 1905



August

Ich wiege mein Herz in der Eiche
Und liege am Fensterbrett wach;
Es lauscht meine Eiche am Dach
Als Göttin die mich umrauscht.
Sie tut den Leib nie neigen,
Fühlt mit den Blättern in's Haus;
In ihren kühlenden Zweigen
Geigen Gedanken sich aus.
Sie windet Epheuranken,
Die graben nach alten Buchstaben
In ihren Falten und Rinden;
Bei Wolkenschauern und Winden
Erfindet sie ihre Geschichten
Die Menschen überdauern.
Sie konnte mir reimend berichten:
Drängend ist die Lippe die liebt,
Versengend ist ihr Verlangen;
S' gibt Wunden voll greller Röten,
Dann sprangen Herzen noch schneller;
Keiner konnte Liebe je töten,
Liebe stören kein Todesstoß;
Die Liebe lebt groß vom Betören.

Ich wiege mein Herz in der Eiche
Und liege am Fensterbrett wach,
Die horchende Seele wird heller;
Was die Eiche am Dach nicht konnt hören,
Das wissen die Wurzeln im Keller -
Die Eiche kann's Leben beschwören.




Wo brennende Blicke an Mauern hinfuhren
Sah ich im Mondlicht noch phosphorne Spuren;
Sah an der kalkigen Gartenwand
Wie eine weiße Frau dort entstand.
Sie trug ihrer Hoffnungen leuchtendes Buch
Unter dem glitzernden Busentuch;
Wie eine Kerze neben ihr
Flackte ein Stern auf der Gartentür.
Die Frau sie las beim dünnen Licht,
Gespannt wie Seide war ihr Gesicht;
Die großen Birnen an dem Spalier,
Hingen wie dicke Locken an ihr.
Oft schüttelte sie mit zartester Geste
Auf ihrer Stirn der Gedanken Geäste;
Las zitternd weiter, bekam nie genug,
Bis ihr der Morgen das Buch zuschlug.




Wir gingen an dem flinken Bach
Und hielten mit ihm gleichen Schritt;
Die wiegende Weide sah uns nach,
Und blaue Glocken wollten mit.

Doch viel zu heiß war Deine Brust,
Für blaue Blumen viel zu heiß;
Es hat sich keine aufgemacht,
Sie blieben mit kühlen Augen stehn
Und haben über Dich nachgedacht.




Die Nacht saß auf den Tannen
Und baute Nest bei Nest;
Der Mond kam schmuck vom Berge
Als ging's zu einem Fest.

Es hatte ihn lachend geladen
Dein warmgeküßter Mund,
Er wurde Laternenträger
Bei unserer kostbaren Stund.

Bald stand er auf der Tanne,
Dann lag er dicht im Gras
Leuchtend köstlichen Minuten,
Auf daß uns keine vergaß.




Die Grillen behexen die Sommernacht,
Grillen haben mit irrem Laut
Wirre Zauberformeln erdacht.
Sie sägen die Wurzeln der Dinge an,
Kein Wunsch, kein Gedanke still stehen kann.

Geigen die Grillen auf Deinem Dach,
Halten sie geigend die Sehnsucht wach.
Wo Sehnsucht hinfällt, kein Schwur mehr hält,
Zum unendlichen Irrgarten wird Dir die Welt.




Die Luft war stumm, die Vögel schliefen,
Nur die Wünsche, die tiefen, gingen noch um.
Wir sind zum Abendhimmel auf den Berg gegangen,
Deine Wangen waren in Scham getaucht und mit Feuer behangen.
Viel Blumen saßen um uns dicht beisammen
Wie junge Schwüre die mit uns zum Himmel kamen.
Du hast mir Deine Lippen wie Blut gegeben,
O zu kurz ist der Küsse seliges Leben.


  Max Dauthendey . 1867 - 1918






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