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Der sternenhelle Weg
162 Bücher



Theodor Däubler
Der sternenhelle Weg . 2. erweiterte Auflage 1919



Messalina

Die Wache wandelt vor dem Kaiserzelte.
Ein halbes Flackern streift die nackten Nebel,
Der Mohrenhauptmann mit dem Silbersäbel,
Den mein Befehl vor unsre Ruhe stellte,
Wird unter Bannerträgern stumm beharren,
Bis laute Stunden durch die Täler knarren.
Wie friedlich die gesternten Fahnen siegen!
Zu ihren Stimmen werden Pilger beten.
Wer wagte es, an mich heranzutreten?
Um Sonnen sollen sich Kometen schmiegen!
Noch hat kein Aal in mir sich festgebissen,
Doch uns gehört die Finsternisgebärde
Der zugesumpften alten Feuererde:
Ich kann das glatte Tier nicht lange missen!
Soldaten! Überfällt mich eine Ratte?
Der Staub hat sich in meinen Bauch gefressen.
Beinah ein Aas, doch bissig noch, vermessen,
Bis ich das alte Tier im Leib bestatte!
Der Henker soll die Rattenfalle packen,
Die Bartgestalt vor mir zu Tod verletzen.
Den Vorhang auf! Gesteht das Sternentsetzen!
Ein Drache krallt sich in den Riesennacken
Von breiten längst verzuckten Silberwelten.
Die toten Berge krümmen sich im Bogen,
Da kommen Sternengeier angeflogen,
Doch sie ergreifen ihre Beute selten:
Ein Mann! Ich kann den Anschlag nicht ertragen!
Verteidigt meine Brüste gegen Sonnen!
Des Weibes Wunde wird die Welt verklagen,
Sie blutet fort und hat noch nie begonnen.
Verhängt das Zelt! Ich atme unter Stufen,
Ich höre Jünglinge herübertreten;
Ihr seid willkommen und doch ungerufen,
So habt den Gang von schweigsamen Kometen.
Du Heißgeliebter, leg mir deine Hände
So schwer wie Kupfer auf die blauen Brüste,
So fühle ich durchsüßt die beiden Brände
Und deiner Jugend sternende Gerüste.
Wie weit du reichst, ich darf dich kaum umklammern.
Dein Jubel kann in meine Flanken schweifen.
Den eignen Leib, nun muß ich ihn begreifen!
Da treten Wachen aus versunknen Kammern,
Sie sollen mein Geheimnis lechzend wissen,
Von Wollustwölfen wird die Brust zerbissen!
Die Decken weg! Gestirne kühlen Wunden!
Wie sanft, die Sonne lachend zu erheben!
Wie leicht die Sterne zwischen Zähnen schweben:
Ich seufze unter losen Wollusthunden.
Den Mond erhalte ich von einem Knaben.
Sein schwacher Atem kräuselt Silberschmerzen,
Das schmale Boot beträufeln Jubelherzen,
Von allen Fingern funkeln Freudengaben:
Mein Schlaf ein Kind, der Mann ist das Erwachen,
Die Sterne töten sich in meinem Lachen!


  Theodor Däubler . 1876 - 1934






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