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Gedichte, Lyrik, Poesie

Der sternenhelle Weg
162 Bücher



Theodor Däubler
Der sternenhelle Weg . 2. erweiterte Auflage 1919



Mein Sohn

Ich habe einen Sohn: er ist ein Krüppel.
Auch ich, der traumbeschwerte Sturmdurchpilgrer, habe einen Sohn.
Er spürt der Dorfbewohner rauhe Knüppel.
Ich fühle nichts. Kaum meines Sohnes Leid und Hohn.

Er haßt mich wohl. Er muß entsetzlich leiden.
Er weiß an allem, was er durchmacht, bin ich schuld.
Ich bleibe kalt, der Traurige von beiden.
Denn er ist kindisch und entschmeichelt Frauenhuld.

Ich lebe fort, obwohl ich längst verscheide.
Er nähre sich, bestehe durch des Vaters Einst,
Empfange Gunst, da ich sie nie erleide.
Mein Sohn, erzähle mir, was du vom Vater meinst.

Ich habe einen Sohn. Er kriegte Kinder.
Von denen kann ich bald vergessen sein.
Fürwahr, ich sorge für den eignen Überwinder.
Mein lieber Sohn, du sollst dich meiner Ernte weihn.

Mein Sohn ist dreißigjährig, soll es bleiben!
Als man mich siebenjährig nannte, hab ich ihn erkannt.
Bald fing er an, was ich begriff, zu schreiben.
Er ist ein Krüppel. Aber jung. Als Jüngling festgebannt.


  Theodor Däubler . 1876 - 1934






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