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Gedichte, Lyrik, Poesie

Der sternenhelle Weg
162 Bücher



Theodor Däubler
Der sternenhelle Weg . 2. erweiterte Auflage 1919



Fahrt

Bei Hagel habe ich mein Schiff geborgen.
Der Wolken Schwarz ist schwefelgelb geborsten.
Auf Felsen, wo bekrallte Fürsten horsten,
Entschlich mir Finsternis. Auf blauen Forsten,
Im Gischtgemisch, begann ein guter Morgen.
Da aber glomm der Zorn in mir.
Ich sah mich um, auf rotem Riff:
Wo nagle ich mein letztes Schiff,
Wie rette ich das eigne Tier?
Die Schwingen sollen blaue Segel sein:
Ich halte sie und brauche keinen Mast.
Gewitter will ich in mir selbst befrein:
Dann tragen sie die blutge Drachenlast.
Hinaus zu mir. Empor zu dir. Hinab zu Gott.
Noch einmal, kühnes Schiff, noch einmal werde flott!
Du bist so brav wie ein bewährter Hund,
Schon wußt ich es, bevor du mir gelangst:
Der du nach mutiger Bewachung bangst,
Gespenst an Bord, mein Hund, mit mir im Bund,
Erwach! wir wollen in Gefahren jagen:
Nach Enten fahnden: Ungeheuer treffen.
Ich will bei augenblauer Sonnensee,
Auf einmal horchend, meine Segel reffen
Und fahrtlos wittern, wie ich untergeh.
Mein guter Hund, dann badest du um mich herum,
Du plätscherst, bellst und wirst dann auch wie ich so stumm. -

Ich traf mich nicht. Du weißt es schon: ich komm!
Dann komme ich zu dir. Schon bald. Noch fromm.
Und doch: ich brauch ein Roß. Voll Brunst. Ich muß zu dir!
Mein eignes Schiff, ich werde dein Gallionenbild.
Drum Rumpf von mir, zusammen sind wir nur ein Tier.
Ein Hengst? Mit Segeln! Frei. Und doch zum Sprung gedrillt.
Empor zu dir. Aus dieser Flut. Und aus mir selbst!
Ich fand dich nicht. Wir sind verloren.

Drum ich, ein Schiff, will tauchen.
Zu zweit? Wir sind verschworen.
Ich Schiff, du ich, geeint.
Wie alle Wünsche zart zerhauchen!
Wenn jedes Wesen aufwärts weint,
Wo Schnüre stiller Atemperlen, tropfend,
Die Luft, die Heimat, oben suchen,
Gelangt man hoffend, tastend, klopfend
Wohl irgendwo auf Grund.
Bei Flammenfarnen, unter Glutenbuchen,
Im See der Seelen schweigt ein Mund.
Doch er ist da. Du fühlst ihn: bleibst in Frieden.
So willst du's auch: sein Wissen sei dir nie beschieden!
Doch schwimmt ein Mond umher:
Beleuchtet dir sein eignes Nimmermehr.
Du seufzst: da glutet dein Gebüsch der Sorgen,
Du lachst und liebst es, denn es wird dein eignes Morgen.


  Theodor Däubler . 1876 - 1934






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