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Gedichte, Lyrik, Poesie

Der sternenhelle Weg
162 Bücher



Theodor Däubler
Der sternenhelle Weg . 2. erweiterte Auflage 1919



Der tote Lehrer

Vom lieben Monde blickst du noch hernieder.
Als Silberspinne wiegst du jedes Blatt.
Du blinkst und fliegst, du bist das Lichtgefieder
Der Taube, die das seltne Zartsein hat.

Du bist die Stille vor dem Sternenfrieden,
Die auch im Winde lebt, in Linden, oft im Licht.
Du bläulichst sanft in leichten Perlenunterschieden,
Du bist der sachten Andachtsherkunft Taugesicht.

So sieh mich nicht so deutlich an, ich leide!
Von manchem Schimmerblatte kennst du mich genau.
Ich leide: nun bemerkt mich wohl die ganze Heide.
Ich gipfle bald aus Scham im eignen Traumesbau.

Ich liebe dich in jedem kleinen Tiere.
Jetzt zitterst du mir nach. Du kennst mich immer mehr.
Wenn ich dabei das Wittern um mich selbst verliere,
So rette mich. Du Glanz. Dein Glanz ist mir zu schwer.

Wie flimmerst du so nah! Du triffst mich in die Seele.
Blauäugelst du? Wer blickt mich alt und herzlos an?
Ich weiß ja, daß ich Tier bin, schlecht bin, mich verfehle.
Dein Strahl ist Stahl. Du hältst mich hart im Bann.

Ich kann nicht weg. Ich stehe zwischen hellen Flüssen.
Ich bin ein Tier. Es hält mich eine Kette fest.
Gespenst, laß ab, mit den gepreßten Silberküssen,
Die du so fest, zu fest auf mein Erdulden preßt.

Ich trachte das Geklirr mit Macht vom Leib zu reißen.
Doch etwas hält mich fest. Vielleicht ein blauer Gaul?
Ich wills versuchen, mich von Klammern freizubeißen,
Doch ich verwirre mich in einem Knotenknaul.


  Theodor Däubler . 1876 - 1934






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