Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Das Sternenkind
162 Bücher



Theodor Däubler
Das Sternenkind . 1. Auflage 1916



Das Sternenkind

Der Mensch muß fliegen! der Mensch muß fliegen! verbreitet den Sturm!
Vertilgt im Herzen, vertilgt im Leibe den furchtsamen Wurm!
Ersehnt im Winde, erhofft im Winde den wehenden Geist!
Beruft im Dunkel das Kind der Sterne, das Schweben verheißt!
Erträumt Gefahren, erfiebert Schrecken, entfesselt das Leid!
Kometen helfen. Gestirne drohen. Erfaßt euch im Streit!
Den Wurm ertötet, den Wurm verachtet, verwundet den Wurm.
Bewacht die Warten, sie harren und warten, entwuchtet dem Turm.
Der Tod ist machtlos! Entfliegt ihm lachend! Verbreitet den Sturm!

Der Mensch muß fliegen, den Schwindel besiegen, die Erde bekriegen!
Die See hat die Wolken, die Seele ihr Wollen, der Mensch muß fliegen!
Der Strand hat Bäume, der Geist seine Träume, der Mensch wird siegen.
Das Meer hat Wellen, der Mensch seine Hellen, sich lichtwärts zu wiegen.
Der Wind hat Spiele, das Kind seine Ziele, es wittert das Fliegen.
Den Zäumen entträumt: Die Räume zu säumen, entbuchtet im Sturm!
Die See hat Stürme, die Seele hat Türme, umwittert den Turm!
Die See kann sehen, die Seele erwählen, verwundet den Wurm!

Ich wähle die Seele, erwäge die Geister und schwebe als Traum.
Ich schaue in Herzen, berausche mich schaudernd: ihr traut einem Baum.
Ihr grünt und erblüht, ihr durchsprüht, überflügelt den Raum.
Es glauben die Herzen, wie glühende Kerzen. Es leuchtet der Baum!
Es beugen die Fichten die Träume der Sterne zur Erde hernieder.
Euch alle belichten Geschichten der Ferne, die still sind und Lieder.
Wie gerne erschimmern die Sterne! wie herrlich erglüht euer Baum!
Erblühen schürt Glühen, Entsprühen. Der Baum wird ein Traum.

Der Traum ohne Baum ist ein Band ohne Saum. Entbrandet als Schaum!
Bewacht eure Träume, berauscht euch durch Träume. Es leuchtet der Turm!
Die Lichffichte flimmert. Die Goldwolken drohen. Es blutet der Sturm.
Es träumen die Kinder. Der Wind wird gelinder. Es zuckt schon der Wurm.
Wer Schneewehen wittert, bedenkt sich, erzittert. Es dunkelt der Turm.

Die Jugend erstirbt nicht. Die Weite gebiert sich. Die Kindheit wird siegen!
Was naht ohne Alter? Was will, durch die Finsternis schwirrend, sich wiegen?
Ein glastender, kalter wahrhaftiger Falter wird Fernen erfliegen.
Wer wirbelt? Was hascht sich? Wann wähnt sich ein Wagnis? In Kriegen!
Wir fliegen? Es sterben die Sterne. Wie gerne, wie ferne! Wir fliegen.


  Theodor Däubler . 1876 - 1934






Gedicht: Das Sternenkind

Expressionisten
Dichter abc



Däubler
Das Sternenkind
Hesperien
Der sternenhelle Weg
Die Treppe zum Nordlicht
Attische Sonette
Päan und Dithyrambos

Intern
Fehler melden!
AGB

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet







Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Das Sternenkind, Theodor Däubler