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Carl Busse
Gedichte . 2. veränderte Auflage (vermutlich) 1894/1895



Waldesteich

Im Buchenforst liegt fern und weltverlassen
Ein kleiner Teich. Kaum blitzt ein Sonnenstrahl
Auf seinen Spiegel. Leiser Mittagswind
Schleicht durch die Wipfel der bejahrten Bäume
Und schläft dann ein und holt nur still noch Atem.

Schwarzdrosselsingen klingt von weitem her,
Ein rotbraun Wiesel schlüpft an mir vorbei,
Das Schilf am Ufer beugt ein lieber Traum
Und unbeweglich steht das dunkle Wasser.

Da plötzlich Kreise - Totenstille rings -
Und aus dem Wasser taucht, unhörbar, heimlich,
Ein Mädchenkopf und eine Mädchenbrust,
Die Locken schwarz, die Augen dunkel glühend,
Und marmorweiße, kühle Nixenglieder.

So steht sie reglos, es ist totenstill,
Selbst in der Ferne starb der Drosselsang
Und merklich hörbar hämmert nur mein Herz...
Sie rührt sich noch nicht, sieht mich immer an
Und sieht mich an und nickt mir zu und sinkt
Reglos und heimlich... und sie nickt und sinkt
Und sieht mich an mit großen, dunklen Augen.

Die Flut steht ruhig wie am Schöpfungstag
Und von der Reiherwiese schreit ein Vogel.


  Carl Busse . 1872 - 1918






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