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Carl Busse
Gedichte . 2. veränderte Auflage (vermutlich) 1894/1895



Sonntag

Ein bleiches Licht lag über allen Straßen
Und auf den Feldern war ein heiliger Friede
Und durch die Luft, unsichtbar jedem Auge,
Schritt Gott einher.
                    Zerlumpte Bettler hockten
Vor einer Kirche, die im weichen Grün
Der Linden stand.. Ein süßer Weihrauchduft
Quoll aus der Pforte und den bunten Fenstern,
Ein seltsam Singen tönte in die Welt,
In die ein Hauch schwomm, schwer und wunderbar
Wie die Erinnrung einer toten Liebe,
Ein Hauch von Kerzen, die zum Tode brannten..

Urplötzlich stille ward es dann... die Orgel
Murrte nur hallend einen Ton noch nach
Hin in die Ruhe...
                    Und ein Schauer kam..
Wie wenn in früher, sterniger Sommernacht
Aus Schlummerfernen melancholisch ziehend
Weichleise Klänge girren.. und ein Schweigen
Mit einem Male rings die Nachtluft bannt
Und in das Schweigen ein verschlafner Brunnen
Rinnend nur plätschert und erschrocken einhält -
Fiel in die Stille, abgebrochen, schauernd,
Das Tongegroll der Orgel..
                    Betend,
Die Lippen regend, die verschrumpften, fahlen,
Schlangen die Bettler lautlos um die Finger
Den Rosenkranz...
                    Es war ein bleiches Licht,
Wolkenentquellend, über jedem Lande,
Und in der Luft, zerfließend, rann der Weihrauch
Rings um die Kirche...
                    Ueber blühende Fluren
Mit segensvollen, sonnenweißen Händen
Schritt Gott einher...
                    In grauer Ferne starb
Der Bittgesang der Priester und der Bettler:
                    Kyrie, eleyson!


  Carl Busse . 1872 - 1918






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