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Carl Busse
Gedichte . 2. veränderte Auflage (vermutlich) 1894/1895



Perdita

Die Nächte durchtollt in berauschendem Tanz,
Es leuchtet mir flackernder Kerzenglanz.
Ein Männerarm hält mich umfangen.
Mit weißen Rosen die Brust bedeckt,
In den Kelchen schäumt und prickelt der Sekt,
Und es glühn mir die Wangen... die Wangen.

Was schimmert der Wein auch so feurig und hell,
Was schrein die Trompeten und Geigen so gell
In lüstern-betäubenden Tönen!
Den Mann mir zur Seite - ich kenne ihn nicht...
Mein Herz, mein Herz, wie das brennt, wie das sticht,
Doch ich darf ja nicht klagen und stöhnen!

Bald küßt mich dieser, bald küßt mich der,
Und das Lächeln, das Lächeln, es fällt mir so schwer
Mein Kopf!... O die Flammen, die Flammen.
Sie brennen und fressen, sie stechen und glühn...
Wie die Lichter zuckend ins Auge mir sprühn,
Und sie lodern im Haupte zusammen!

Und es schleicht mir näher... Mutter, vergieb!
Ich hatt' ihn zu lieb, ich hatt' ihn zu lieb,
Er hat mich verstoßen, verlassen.
Mutter, geh fort... zurück in dein Grab,
Du weißt es... du weißt es, er zog mich hinab,
Nun schleich ich in Winkeln und Gassen.

Die Tochter ist Dirne!... der Wein... der Wein...
Ich will vergessen, heut Nacht bin ich dein..
Schatz weißt du... Nein, laß mich!... Sie geben
Mir jetzt viel rotes funkelndes Gold,
Und es blitzt und es leuchtet.. das Gold, du das Gold!
Ich muß ja leben, ja leben...

Das Spitzglas flimmert, es höhnt so graus,
Und klirrend fliegts in die Nacht hinaus,
In die Nacht... Irr flammen die Kerzen.
Und ich denke der Nacht, verflucht sei die Nacht!
Der schönsten Nacht, der einzigen Nacht,
Wo du mir ruhtest am Herzen.

Mit Sternen war sie emporgeflackt,
Wie es brennt, wie es sticht, wie es schauernd mich packt
Mit Totenhänden!... Nur sterben!
Könnt' ich noch beten! He, schläfst du Gott?
Ich kenne dich nicht! Mein Gott, mein Gott,
Was ließest du mich so verderben!

Und es quillt und es rauscht die tönende Flut
Der "Donauwellen", es schwimmt wie Blut
Mir vor den Augen... Die Geige,
Sie schrillt so bang durch den dunstigen Saal,...
Da.. nimm mich denn hin.. das Leben ist schaal,
Und ich so feige, so feige!


  Carl Busse . 1872 - 1918






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