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Carl Busse
Gedichte . 2. veränderte Auflage (vermutlich) 1894/1895



Kindheitstraum in der Sommernacht

Wir lagen beide auf dem Rasen,
Das trockne Heu gab süßen Duft,
Wir bliesen bunte Seifenblasen
Behutsam in die Sommerluft.
Voll Sehnsucht folgten wir den Ringen
Auf ihrem kurzen Wanderlauf
Und jauchzten, wenn sie höher gingen,
Und trieben sie noch mehr hinauf.

Wie hell dein Kinderantlitz glühte,
Wie hielten wir den Atem an,
Bis oben alles dann zersprühte
Die Herrlichkeit in Schaum zerrann!
Lichtkugeln stiegen immer wieder
Ins windverlassne Lüftemeer,
Und eine Lerche klang hernieder
Und Fliegen summten um uns her.

Dann riefst du nach dem treuen Hunde,
Er war von je dein Spielgesell,
Und schmiegtest wie zur Schlummerstunde
Den blonden Kopf an's dunkle Fell.
Ich schaute still zum Himmelsraume.
Hab' an den lieben Gott gedacht,
Bis du aus goldnem Kindertraume
Mit hellem Lachen aufgewacht.

Den langen Halm im roten Munde
Begann das alte Spiel aufs neu,
Dann wühlten wir im Wiesengrunde
Auf eigne Faust uns tief ins Heu.
Und machtest du mal zu viel Mätzchen
Und schlich sich grell ein Mißton ein,
Dann kamst du, kleines Schmeichelkätzchen,
Und keiner konnt' dir böse sein.

Vorbei, vorbei! - Was willst du wieder,
Du Kindheitstraum, mein Herz umziehn?
Das klingt wie alte Ammenlieder,
Wie längst verlorne Melodien.
Das mag zu diesen Nächten taugen,
Das schlingt um mich den alten Bann,
Und mit den groß verträumten Augen
Sieht lockend mich Frau Sehnsucht an.


  Carl Busse . 1872 - 1918






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