Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Gedichte
162 Bücher



Carl Busse
Gedichte . 2. veränderte Auflage (vermutlich) 1894/1895



Fronleichnamsprozession

Und aus dem Kirchenthor, dem offnen, braunen,
Zog in das Licht und in die blühende Welt
Die Prozession...
                Voran drei junge Knaben
Mit weißen Hemden und entblößten Häuptern,
Und über ihnen, durch die goldne Luft,
Schwebte das Kreuz.
                Hellbunte Fahnen folgten
Und wallten auf im frischen Maienwind,
Und um das Bild der Muttergottes bebte
Die volle Sonne aureolengleich.

Zwölf blühende Mädchen schritten dann im Zuge,
Von weißen Kleidern wehten blaue Schärpen,
Durch's dunkle Haar wand sich ein blauer Kranz
Von Frühcyanen,.. aus den gelben Körbchen
Streuten sie Blüten hin auf jeden Weg,
Daß sich der Duft von roten Frühlingsrosen
Mit Weihrauch mischte und mit Maienglocken.

Die Ministranten schwangen hin und her
Die Räucherbecken. Schwüle Wolken stiegen
Ueber die Menge, und in starrer Seide,
Die Hostie haltend, schritt der Probst einher

Und wölbend schwebte über seinem Haupte
Der Baldachin. - Von allen Seiten stob
Im Feierkleid das Volk dem Priester nach,
Die roten Mieder glänzten in der Sonne.
Aus schwarzen Locken blitzten Silberpfeile.
Und an den Röcken bauschten sich und flogen
Die bunten Bänder.
                Wirr und seltsam war
Ringsum ein Singen, und die Kerzen brannten,
Und in das Singen murrten fern vom Turm
Die Kirchenglocken. Durch die ganze Stadt
Schwankten die Fahnen. An den Straßen hoben
Sich grüne Birkenzweige, von den Thüren
Grüßten Altäre, und die Lichter warfen
Flackernd und irrend einen seltnen Schein
Auf kleine Kreuze, bunte Heiligenbilder
Und weiße Decken.
                Plötzlich schwieg der Sang,
Nur eine Mädchenstimme fiel noch nach
Und kleine Glöckchen klangen durch die Stille.
Dann scholl ein Beten her aus Priestermund,
Und in die Knie sank alles Volk. Die Fahnen
Neigten sich tiefer, tiefer neigten sich
Die glüh'nden Kerzen - und der Probst nur stand
Hochaufgerichtet unter allem Volke
Und hielt die Hostie singend in die Luft.
Die goldne Sonne spielte an den Rändern
Der goldnen Fassung hin und her... Das gab
Ein seltsam Glänzen.
                In den Fahnen fing
Ein Windstoß sich, die Seide rauschte knisternd,
Der Priester sang, es läuteten die Glocken
Vom alten Turm, und auf die Birken tropfte
Geweihtes Wasser. -
                Dumpfer Trommelwirbel;
Ein lautes Singen; von der Erde hob
Die Menge sich, es rissen alle Weiber
Geweihte Büschel von den Birkenzweigen,
Der Weihrauch dampfte, weiter ging der Zug,
Und auf die blauen, roten, gelben Fahnen
Floß goldnes Licht in heißem Strahl herab.


  Carl Busse . 1872 - 1918






Gedicht: Fronleichnamsprozession

Expressionisten
Dichter abc



Busse
Gedichte

Intern
Fehler melden!
AGB

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet







Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Fronleichnamsprozession, Carl Busse