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Zu guter Letzt
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Wilhelm Busch
Zu guter Letzt . 1. Auflage 1904



Ein Philosoph von ernster Art
Der sprach und strich sich seinen Bart:
    Ich lache nie. Ich lieb es nicht,
Mein ehrenwerthes Angesicht
Durch Zähnefletschen zu entstellen
Und närrisch wie ein Hund zu bellen;
Ich lieb es nicht durch ein Gemecker
Zu zeigen, daß ich Witzentdecker;
Ich brauche nicht durch Werthvergleichen
Mit Andern mich herauszustreichen,
Um zu ermessen, was ich bin,
Denn dieses weiß ich ohnehin.
    Das Lachen will ich überlassen
Den minder hochbegabten Klassen.
    Ist einer ohne Selbstvertraun
In Gegenwart von schönen Fraun,
So daß sie ihn als faden Gecken
Abfahren lassen oder necken,
Und fühlt er drob geheimen Groll
Und weiß nicht, was er sagen soll,
Dann schwebt mit Recht auf seinen Zügen
Ein unaussprechliches Vergnügen.
    Und hat er Kursverlust erlitten,
Ist er moralisch ausgeglitten,
So giebt es Leute, die doch immer
Noch dümmer sind als er und schlimmer,
Und hat er etwa krumme Beine,
So giebt's noch krümmere als seine.
Er tröstet sich und lacht darüber
Und denkt: Da bin ich mir doch lieber.
    Den Teufel lass ich aus dem Spiele.
Auch sonst noch lachen ihrer Viele,
Besonders jene ewig Heitern,
Die unbewusst den Mund erweitern,
Die so zu sagen, auserkoren
Zum Lachen bis an beide Ohren.
Sie freuen sich mit Weib und Kind
Schon bloß, weil sie vorhanden sind.
    Ich dahingegen, der ich sitze
Auf der Betrachtung höchster Spitze,
Weit über allem Was und Wie,
Ich bin für mich und lache nie.


  Wilhelm Busch . 1832 - 1908






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