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Franz Grillparzer
Gedichte . 1872



Ständchen

Zur musikalischen Composition.

Brim blim, klang kling,
Höre Mädchen was ich sing'!

Sieh mich hier vor deinem Fenster
Lauschend mit der Zither stehn,
In der Stunde, wo Gespenster
Nur und Liebende noch gehn,
Alles ruht im trauten Zimmer,
Nur die Liebe ruhet nimmer.

Brim blim, klang kling,
Was ist die Liebe für ein Ding!

Stürme brausen durch die Gassen,
Tief verhüllt in Schnee und Eis.
Ach, und doch, kaum kann ich's fassen,
Kalt die Hand, der Busen heiß,
Innre Gluthen wärmt die Finger,
Kühl' o Eis, den Minnesinger.

Brim blim, klang kling,
Was ist die Liebe für ein Ding!

Muthig wenn ich dich nicht sehe,
Sinn' ich aus manch Liebeswort;
Aber kaum in deiner Nähe
Ist die Sprache plötzlich fort.
Ferne muthig, nahe blöde,
Kannst du denken, Lieb', so rede!

Brim blim, klang kling,
Was ist die Liebe für ein Ding!

Doch ergreif' ich meine Zither,
Wird das Herz mir weit und groß,
Und das brütende Gewitter
Bricht in hundert Strahlen los.
Ja mag's noch so seltsam klingen,
Reden kann ich nicht, doch singen.

Brim blim, klang kling,
Was ist die Liebe für ein Ding?

Drum, das Saitenspiel in Händen,
Ruf' ich kühn zu dir hinauf:
Laß den spröden Sinn sich wenden,
Thu' mir Herz und Fenster auf!
Aber still: denn wird sie's innen,
Zürnt sie etwa dem Beginnen,
Schilt, daß ich's mich unterfing,
Was ist die Liebe für ein Ding.

Doch was schmäh' ich diese Wonne,
Die mein Innres süß bewegt!
Ist die Sonne minder Sonne,
Weil kein Aug' ihr Schau'n erträgt?
Bleibt, wenn nichts auch übrig bliebe,
Das Gefühl doch, daß ich liebe,
Ach und -

Brim blim, klang kling,
Liebe bleibt ein süßes Ding.


  Franz Grillparzer . 1791 - 1872






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