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Adelbert von Chamisso
Gedichte . 1836



Ungewitter

Auf hohen Burgeszinnen
    Der alte König stand,
Und überschaute düster
    Das düster umwölkte Land.

Es zog das Ungewitter
    Mit Sturmesgewalt herauf,
Er stützte seine Rechte
    Auf seines Schwerdtes Knauf.

Die Linke, der entsunken
    Das goldene Zepter schon,
Hielt noch auf der finstern Stirne
    Die schwere goldene Kron'.

Da zog ihn seine Buhle
    Leis' an des Mantels Saum:
Du hast mich einst geliebet,
    Du liebst mich wohl noch kaum?

Was Lieb' und Lust und Minne?
    Laß ab, du süße Gestalt!
Das Ungewitter ziehet
    Herauf mit Sturmesgewalt.

Ich bin auf Burgeszinnen
    Nicht König mit Schwerdt und Kron',
Ich bin der empörten Zeiten
    Unmächtiger, bangender Sohn.

Was Lieb' und Lust und Minne?
    Laß ab, du süße Gestalt!
Das Ungewitter ziehet
    Herauf mit Sturmesgewalt.


  Adelbert von Chamisso . 1781 - 1838






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