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Adelbert von Chamisso
Gedichte . 1836



Eid der Treue

Mißtrauest, Liebchen, du der flücht'gen Stunde,
    Des Augenblickes Lust?
Bist Brust an Brust du nicht, und Mund an Munde,
    Der Ewigkeit bewußt?

Ich soll nur dir, und ewig dir gehören;
    Du willst darauf ein Pfand:
Wohlan! ich will's mit kräft'gem Eid beschwören,
    Ich hebe meine Hand:

Ich schwör's, elftausend heilige Jungfrauen,
    Bei eurem keuschen Bart;
Bei Jakob's Leitersprosse, die zu schauen
    In Mailand wird bewahrt;

Ich schwör' es noch, zu mehrerem Gewichte -
    Ein unerhörter Schwur! -
Bei'm Vorwort zu des Kaisers Karl Geschichte,
    Und bei des Windes Spur;

Bei'm Schnee, der auf dem Libanon gefallen
    Im letzt vergang'nen Jahr;
Bei Nihil, Nemo, und dem andern Allen,
    Was nie sein wird noch war.

Und falls ich dennoch jemals untreu würde,
    Vergäße jemals dein,
So soll mein Eid verbleiben ohne Würde,
    Und ganz unbündig sein.


  Adelbert von Chamisso . 1781 - 1838






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