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Gottfried August Bürger
Gedichte . 1789



Das Lob Helenens

Am Tage ihrer Vermählung.

O Bräutigam! welch' eine Braut
Wird deinem Arm' zur Beute!
Bey meiner Leyer schwör' ich's laut:
Die Krone schöner Bräute!

Wer zweifelt, wandre hin und her,
Rings um die alten Gleichen!
Kein schön'res Fräulein findet er,
In allen Königreichen. -

Ihr Blick verheißt ein Paradies;
Die Wang' ist Morgenröthe;
Und ihre Stimme tönt so süß,
Wie König Friedrichs Flöte.

Noch mehr! Des Dichters Phantasey
Verräth es seiner Leyer,
Daß ihre Lippe süßer sey,
Als Honig und Tokaier.

Ihr schlanker Wuchs - Doch wie vermag
Ich jeden Reiz zu singen?
Kaum reicht' ein langer Sommertag,
Ihr Loblied zu vollbringen.

Sie weichet nicht in Griechenland
Der schönen Nahmensschwester;
Doch hält ihr Herz das goldne Band
Der Liebestreu' weit fester. -

Sie hätten in der Wunderzeit
Der Riesen und der Moren,
Die Paladine weit und breit
Zur Dame sich erkohren.

Ihr Nahme hätt' im Feldpanier
Den Rittern Muth geschimmert,
Und Schild' und Lanzen im Turnier
Zu tausenden zertrümmert.

Wär' sie gebohren auf der Flur,
In jenen goldnen Jahren,
Als ritterliche Lanzen nur
Noch Hirtenstäbe waren:

So hätt' um sie, in Flur und Hain,
Ein jedes Lied geworben.
Wohl mancher wär' in Liebespein,
Nach Schäferart gestorben. -

Sieh, solche Braut zieht deine Hand
Hinweg aus unsern Blicken.
Wie neiden wir das fremde Land,
Das Helena soll schmücken!

Ach! welche Nachbarin ersetzt
Sie unfern Nachbarsöhnen?
Und welche wird die Reigen jetzt,
Wie Helena, verschönen?

Du müßtest wohl mit blankem Speer
O Mann, sie erst erwerben,
Und billig schäferlich vorher
Ein paarmal für sie sterben! -

Doch wirft du künftig, ohne Leid,
Sie auf den Händen tragen,
Und immer, nach Verdienst, wie heut,
Ihr Honigwörtchen sagen:

So sey es d'rum! Wir lassen sie
In Frieden unsertwegen.
Die Liebe segne dich und sie,
Mit ihrem besten Segen!


  Gottfried August Bürger . 1747 - 1794






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