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Gedichte, Lyrik, Poesie

Aus der Heimat und Fremde
162 Bücher



Friedrich von Bodenstedt
Aus der Heimat und Fremde . 1856/1859



Die kriegerischen Nazarener

                              "Es gilt den Kampf des Kreuzes gegen
                              die Heiden."
                                        Der Metropolit von Moskau.

                              "C'est pour la gloire de Dieu que
                              vous combattez!"
                                        Der Erzbischof von Paris.

                              "Jesus Christ, our saviour, for whose
                              sake you fight, will bless your arms!"
                                        Der Erzbischof von Canterbury.

(1854.)


Auf's Neu' entbrennt ein Weltenbrand;
Von Westen, Osten und von Norden,
Wie Wolken über Meer und Land
Ziehn Heere, Flotten, wilde Horden;
Im Pontus wipfelt Mast an Mast,
Bis wo sich Asiens Berge thürmen;
Das Meer keucht unter seiner Last
Und heult und wimmert mit den Stürmen.

Auf Tauris liegt's gewitterschwer.
Wo Sebastopolis, die Veste,
Herabdroht auf das Schwarze Meer,
Versammeln sich die fremden Gäste.
Hier wo Dianens Tempel stand
Und Mithridates Knochen modern,
Stürmt es heran zu Meer und Land
Und tausend Feuerschlünde lodern.

O schönes Tauris! sonnig Grab
Der Reste alter Völkerwogen,
Die Asiens Bergeshöhn hinab
Verderbend durch die Lande zogen,
Floß nicht genug schon Menschenblut
Für Deine Steppenkatakomben,
Daß Du in alter Opferwuth
Verlangst nach neuen Hekatomben?

Sie fallen Dir! Schon tobt die Schlacht;
Vom Blute Thal und Hügel triefen,
Rings von den Bergen glüht's und kracht,
Das Meer erbebt in seinen Tiefen.
Die Muse, aufgescheucht, erhebt
Sich über die empörten Massen,
Blickt nieder, wie sie lichtwärts schwebt,
Und sucht das grause Bild zu fassen.

Nicht Heiden sieht sie dort im Kampf,
Nicht Etzel's wilde Bogenspanner,
Hoch aus dem dichten Pulverdampf
Des Schlachtfelds flattern Christenbanner;
Sie sieht zum Kampfe aufgehetzt
Normannen, Gallier und Sarmaten,
Sie tragen Christi Namen jetzt,
Doch heidnisch noch sind ihre Thaten.

Und heidnisch flehn sie hier und dort:
"Herr, hilf die Feinde uns verderben!"
Erhörte Gott das frevle Wort,
Sie müßten elend Alle sterben.
Doch Er, der Seinen Sohn gesandt,
Daß wir vom Sündenschlaf erwachten,
Ist, wie Er Selbst Sich uns bekannt,
Ein Gott der Liebe, nicht der Schlachten!

Ihr mögt von Kriegs- und Heldenruhm
So viel uns, wie Ihr wollt, verkünden,
Nur schweigt von Eurem Christenthum,
Gepredigt aus Kanonenschlünden!
Bedürft Ihr Proben Eures Muths:
So schlagt Euch wie die Heiden weiland,
Vergießt so viel Ihr mögt des Bluts,
Nur redet nicht dabei vom Heiland.

Hoch ehr' ich wahres Heldenthum,
Auf Eines aber sollt Ihr achten:
Ein Andres ist des Christen Ruhm,
Ein Andres ist der Ruhm der Schlachten!
Seid was Ihr wollt, nur seid es ganz,
Ein Beispiel nehmt an Gottes Sohne -
Christus trug keinen Lorbeerkranz
Und Cäsar keine Dornenkrone.

Man rühme Frankreichs Ruhmeswuth,
Die Macht des Zaren-Patriarchen, -
Man rühme Englands Roastbeef-Muth
Und seine bombenfesten Archen;
Doch wär' es Zeit, daß man die Spreu
Vom Waizen sondre in der Tenne,
Und Kampfhahn, Doppelaar und Leu
Nicht mit des Heilands Namen nenne.

Noch gläubig schlägt das Türkenheer
Die Schlacht zum Ruhme seines Allah -
Wir haben keinen Odin mehr,
Todt sind die Götter von Walhalla.
Seid was Ihr wollt, doch ganz und frei,
Auf dieser Seite wie auf jener;
Verhaßt ist mir die Heuchelei
Der kriegerischen Nazarener.


  Friedrich von Bodenstedt . 1819 - 1892






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