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Die Harfe Gottes
162 Bücher



Hugo Salus
Die Harfe Gottes . 1. Auflage 1928



Dombaumeister

Der Dombau, dem die Lebenszeit
der Meister alle Kraft geweiht,
ward nun zu Gottes Preis beendet,
er ist, so rühmt das Volk, vollendet.
Er ragt empor bis in den Himmel
hoch über irdischem Gewimmel
und wird so lang nach unsern Tagen
erhaben in die Zukunft ragen.

Kein Münster in dem ganzen Reich
ist diesem Wunderbauwerk gleich
in seiner überirdischen Größe
ganz ohne niedre Menschenblöße,
gewaltig bis zum Knauf der Türme
wird wachsen es im Kampf der Stürme,
sein Ebenmaß, fern irdischen Sünden
wird trotz der Größe Schönheit künden!

Die Baugerüste fielen schon,
das Volk zur Weiheprozession
versammelt sich schon in den Gassen,
wird all den Glanz der Münster fassen?
Da überkommt des Doms Erbauer
vor all dem Festlärm schier ein Schauer,
er läßt von seinem schlichten Wagen
hinaus zum Walddörflein sich tragen.

Er ist ganz voll von heißem Dank,
daß ihm sein Lebenswerk gelang;
Da drängt's ihn, in die Waldkapelle,
drin er sich vor den Ewigen stelle,
kein andrer Mensch ist in dem Frieden,
und hier wird ihm sein Glück beschieden,
er fühlt sich wie in Kindheits Tagen.
Hier kann sein Dankgebet er sagen:

"Hier, guter Gott, gewährst du mir,
hier kann ich innig danken Dir.
Ich durft' in gläubigem Vertrauen
ein Denkmal Deiner Größe bauen.
Jedoch als Mensch scheint für mein Wort
Dies Waldkirchlein der bess're Ort!"
Gott hat ihm Antwort zugesandt.
Domglockenklang tönt durch das Land.


  Hugo Salus . 1866 - 1929






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