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Anna Ritter
Gedichte . 1. Auflage 1898


Sturmlied

In Meerestiefen,
Auf altem Thurm,
In Felsenhöhlen,
Da schläft der Sturm.

Die Haare fallen
Ihm in's Gesicht,
Die Glieder starren -
Er merkt es nicht,
Er schläft und schläft.

Da kommt von ferne
Verworr'ner Klang,
Wie Aechzen tönt es,
Wie Schlachtgesang.

In scheuer Eile
Zieht's schwarz herbei,
Dazwischen klingt es
Wie Jubelschrei:
    Hussah! Hussah!

Hei, wie der Alte
Vom Boden springt!
Gell pfeift er, daß es
Die Luft durchdringt.

Er schwingt sich wild auf
Sein wiehernd Roß,
Und um ihn drängt sich
Der Wolken Troß.
    Hussah! Hussah!

Nun wahr dich, Erde,
Nun wahr dich, Meer,
In Lüften brauset
Der Sturm daher.

Nun beugt euch, Wälder,
Nun kniee, Saat,
Springt an, ihr Wogen,
Ein König naht!
    Heil! Heil!

Ihr Menschen flüchtet
Und kriecht in's Haus,
Die Flammen löscht nun
Die Feuer aus,

Daß nicht des Heerdes
Geweihte Gluth
Empört sich wende
Und zehr' das Gut.
    Gnade! Gnade!

Die Höhen brausen,
Es wankt der Grund,
Die Glocken beten
Mit ernstem Mund:

Empor die Augen,
Der Sturm ist da -
In Sturm und Wetter
Der Herr ist nah!
    Hallelujah!


  Anna Ritter . 1865 - 1921






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