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Gedichte, Lyrik, Poesie

Dreiklang
162 Bücher



Rudolf Presber
Dreiklang . 1. Auflage 1904



Geständnis

Was lockst du mich zu ferner Zeiten Borden?
Wir sind ja reif, still und verständig worden" -
Du sprichst's und siehst mich schmerzlich lächelnd an.
"Und alles was wir kindisch uns erträumten,
Was wir, uns selbst genug, an Glück - versäumten,
Ich beichtet's längst. Und alles weiß mein Mann."

"Er denkt so groß! Läßt sich am Heut genügen.
Zwei holde Kinder blühn mit seinen Zügen.
Er fühlt, daß ich ihn achtend lieb gewann.
Er rührt nicht roh die schrill gesprungnen Saiten,
Den spät vernarbten Schmerz verlorner Zeiten
Beschwört er nie. Doch alles weiß mein Mann..."

Du nagst die Lippe dir. Die Wangen glühen;
Und vor den starr gesenkten Augen blühen
Die Tage auf, da ich dich lieb gewann.
Du hast gelernt dich fügen und dich ducken -
Dein Herz gehorcht; doch deine Lippen zucken
Und sprechen leise: "Alles weiß mein Mann."

Und weiß er auch, wie schwer ich litt und büßte,
Weiß, daß dich täglich meine Sehnsucht grüßte
Und deinem Bilde junge Kränze spann?
Daß all mein Sieg nur deine Augen hatte,
Daß jedes Lied auf windverwehtem Blatte
Geheime Botschaft trug, - weiß das dein Mann?

Und daß den Gruß, den aller Welt gesandten,
Nur du gefunden hast, nur du verstanden,
Und heiß die Träne von der Wimper rann;
Und daß du heut in schwülen Sommernächten,
Wenn deine Träume Rosenketten flechten,
Mir noch gehörst, nur mir - weiß das dein Mann?

Und wenn dereinst die blonden Kinder trauern,
Und in des Lebens letzten Fieberschauern
Das Bild verlorner Jugend lacht dich an;
Wenn all die Fremden seiner Sippe kamen,
Dich noch zu trösten; daß du meinen Namen
Als letzten hauchen wirst, - weiß das dein Mann? ...


  Rudolf Presber . 1868 - 1935






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