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Gedichte, Lyrik, Poesie

Aus Traum und Tanz
162 Bücher



Rudolf Presber
Aus Traum und Tanz . 1. Auflage 1908



Stich und Hieb und Schabernack

Das Glück bevorzugt in der Welt
Zu gern die dümmsten Kerle;
Sie haben sich billige Austern bestellt
Und finden die echte Perle.

*

Das Echte wird sich kaum verlohnen,
Wenn immer seltner die Kenner erscheinen;
Man hat die schönsten Imitationen
In Tugend, Weisheit und Edelsteinen.




Die Nacht

Des Menschen Freund sei nie die Nacht,
Hör' ich, trotz ihrer schönsten Sterne.
Mein Liebchen fragt! Ich weiß, sie lacht:
Ich hab' sie gerne!

*

Kritik heißt dem einen ein Spornen und Zügeln
Und reinlich Spreu vom Weizen scheiden;
Dem andern heißt sie sich selbst bespiegeln
Beim öffentlichen Grimassenschneiden.

*

Wie war der Tote lieb und gut ...
"Ich dächte ..." - Pst! Er ist gestorben.
Wenn wer uns einen Gefallen tut,
Hat er sich Recht auf Dank erworben?




Das Schwere

Ich lausche der Weisen ermahnender Lehr':
Aller Anfang sei schwer.
Doch bei der Liebe und solchen Sachen
Erscheint mir's schwerer: ein Ende zu machen.




Wenn ...

Wenn mir jede, die auf Ehre
Treue schwur mir unverletzlich,
Wirklich treu geblieben wäre -
Himmel, wäre das entsetzlich!




Behüter

Du bist ein Tor, doch anderwärts
Triffst du noch einen dümmern Wicht.
Die dümmste Dummheit macht das Herz -
Das hast du nicht.

*

Und ragt dir ein Schloß über Wiese und Tann,
Das sieben stolze Türm' hat,
Und fällt dich beim Wandern ein Regen an,
Beneidest du den ärmsten Mann,
Der zufällig einen Schirm hat.

*

"Weiber -? Niedrig und verkommen!"
Solches schwörst du unbeirrt -
Bloß die eine ausgenommen,
Die dich morgen küssen wird ...




Die guten Freunde

Ach, alle meine guten Freunde starben!
Doch jetzt ward stiller schon mein Abschiedsweh;
Ich bliebe gern noch hier: denn sie verdarben
Dort drüben schon mein ganzes Renommee.

*

Das ist die neuste poetische Richtung
Und zeugt von modernstem Genie:
Es donnert beständig durch eure Richtung
Bloß - blitzen seh' ich es nie.

*

Aus deinen Büchern muß ich immer lesen,
Wie an der Menschheit alles dir mißfiel;
Du bist zu lang mit dir allein gewesen -
Und die Bekanntschaft taugt nicht viel.




Naturereignis

Es pries mit lautem Schwalle
Der Älpler auf den Höhn:
Die Fremden sollten alle
Der Sonne Aufgang sehn.

Zwei englische Ladys sprangen
Heraus mit offnem Haar -
Da ist sie untergegangen,
Bevor sie oben war.




Dem Frömmling

Ich acht' Gebet. Doch seh' ich Menschen knieen
Um kleine Fehler, die so menschlich sind,
Da mein' ich: Gott hab' schon so viel verziehen,
Daß er solch Tun ein bißchen albern find' ...
Die gar zu oft die Hände ängstlich streckten,
Die gleichen jenen Trunkenen an Witz,
Die Nachts den Apotheker weckten:
"Für einen Sechser Lakeritz!"




... ein sanftes Ruhekissen

Ein gut Gewissen ist von allen Gaben
Die beste, jeder Weise spricht's.
Mädchen, ich möcht' dein Ruhekissen haben -
Und läg' dein Köpfchen drauf, es schadet' nichts!

*

Wer ganz im stillen steinig Land beackert,
Vielleicht daß er die Zukunft noch bewegt;
Es hat die Henne, die am laut'sten gackert,
Nicht immer just das größte Ei gelegt.





Als Adam schlief ...

Als Adam schlief, nahm Gott ihm eine Rippe
Und machte ihm ein Weib daraus.
Sie war sein Fleisch und bracht' nicht eigne Sippe
Noch Vetternschaft ihm mit ins Haus.
Und hielt sie manches nicht, was sie versprochen,
Dies eine les' ich aus dem heil'gen Buch:
Es kam zu Adam nie auf sieben Wochen
Die Mutter Evas zu Besuch.




Glückliche Fahrt

Mancher fährt auf dem Wagen des Glücks,
Kennt nicht die Lenkerin, kennt nicht die Tiere;
Steigt er herunter, so hat er nix
Als - die Hosen voll Wagenschmiere.




Der Träge

Ist wer zum Glücke selbst zu faul,
Was der verdient? Ich denke - Prügel.
Gebratne Tauben fliegen ihm ins Maul,
Er stöhnt: "Mir steht der Sinn nicht nach Geflügel!"




Dem Tollkühnen

Magst Ebenbürt'ge kühn befehden
Und zeigen, wie ein Tapfrer ficht;
Doch Löwen auf den Schwanz zu treten
Rat' ich dem Waffenlosen nicht.




Der literarische Marodeur

Der Dichtkunst hat er sich geweiht -
Erfolglos, wie ihr wißt;
Er dichtet stets für eine Zeit,
Die grad vorüber ist.




Der Selbständige

Pfui, er verachtet, was für jeden
Von Nutzen scheint und gleichem Reiz;
Drum fährt er lieber quer durch Schweden
Mit Baedekers ,Kärnten' und Meyers ,Schweiz'.

*

Nein, das verzeih' ich Noah nie,
Der an den Ararat geschwommen,
Daß er sich wahllos so viel Vieh
In seine Arche mitgenommen.

Als er auf schwanken Planken schritt,
War viel Belastung nur beschwerlich,
Und nahm er schon den Pudel mit,
Die Flöhe waren doch entbehrlich!

*

Ich glaube, daß Güte bei Mann und Weib
Nur aus Gesundheit blüht;
Es haben die Leute von hartem Leib
Selten ein weiches Gemüt.

*

Nur das Verkehrte - hör meinen Rat -
Hebt dich zum Abgott der Narren und Gecken;
Mache dir ernsthaft aus Rosen Salat,
Um dir Radieschen ins Knopfloch zu stecken.




"Guter Mond, Du ..."

Wenn Liebe erste Rosen flicht
Und Hoffnung durch die Sterne reist,
Dann ist der Mond das goldne Licht,
Das Glücklichen den Himmel weist.

Doch ist der Honigmonat er,
Dann - ist der Mond am Firmament
Ein alter Bimstein-Krater-Komplex,
Der zwecklos durch die Wolken rennt.




Das kommt davon

Ein Moschustier am Hindukusch
Mußt' eines Jägers Blei erliegen.
Da brummt ein Stinktier aus dem Busch:
"Es ist ein Fehler gut zu riechen."




Sein Pech

Was will das Schicksal Güte zeigen
Dem Tölpel, dem der Sinn gebricht?
Der Himmel hängt ihm voller Geigen,
Bloß - musikalisch ist er nicht.




Der große Mann

Warum der Mann so hoch geschätzt
Und aller Weisen Zier ist?
Er hat aus dem Sanskrit übersetzt,
Daß zwei mal zwei gleich vier ist.




Am sechsten Tag

Gott hat, so hört man allerorten,
Aus nichts sich diese Welt erdacht;
Bei dir hat er sich's leicht gemacht:
Es ist auch nichts aus dir geworden.




Der Unverbesserliche

Und liegst du einst, die Lippen schmal und blau,
Gestreckt die Glieder, die im Tod gefrieren,
Du wirst, so fürcht' ich, mit der Leichenfrau,
Die dich rasiert, noch einen Flirt riskieren.


  Rudolf Presber . 1868 - 1935






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