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Aus Traum und Tanz
162 Bücher



Rudolf Presber
Aus Traum und Tanz . 1. Auflage 1908



Kunst

Kein Zweifel dran: es gibt der Pfauen,
Die federarm und arg zerrupft;
Rotnasig sind die schönsten Frauen,
Wenn der November sie verschnupft;
Biskuits, die in den Spucknapf fielen,
Erregen nicht den Appetit;
Auch gibt es Kinder, welche schielen,
Und Pferde mit dem Hahnentritt;
Ein schwimmend Knäul von toten Aalen
Verekelt uns den schönsten Fluß -
Nur weiß ich nicht, warum man's malen
Und farbenpeinlich schildern muß.

Gewiß, in manchem Rotweinglase
Holt eine Motte sich den Tod,
Und in den Dörfern zeigt die Straße
Viel Kuhverkehr und Hühnerkot;
Auch gibt es blatternarb'ge Knaben,
Und Mädchen, die beim Frühlingswehn
Viel Pickel auf der Stirne haben,
Was wenig lieblich anzusehn;
In afrikan'schen Kaffernkralen
Gilt Reinlichkeit als Überfluß -
Nur weiß ich nicht, warum man's malen
Und farbenpeinlich schildern muß.

Schon hör' ich höhnisches Gelächter,
Und ein Gegröhle schallt darein:
"Wie will des Häßlichen Verächter
Denn heute bloß ein Künstler sein?
Wem eine frühlingshelle Landschaft,
Wem eine schöne Frau gefällt,
Der zeigt verdächtige Verwandtschaft
Mit allem üblen Kitsch der Welt.
Der trägt den Zug des Dilettanten
Ganz unverwischbar im Gesicht,
Der misch' sich unter alte Tanten
Doch unter echte Künstler nicht!"

"Wir können diese Kerls nicht riechen,
Die noch verbohrt in blödem Wahn
In das Gestümper alter Griechen,
In Raffael und Tizian;
Die Lessing lesen noch, und die da
Behaupten, dumm und farbenblind:
Daß jene Göttinnen vom Ida
Zunächst mal schön gewesen sind.
Nein, unsern Beifall wird gewinnen,
Wer (nebenbei: nicht schlecht bezahlt)
Drei alte Münchner Kellnerinnen
Als Hera, Pallas, Venus malt...!"

Glaubt nicht, daß ich mich ärgern werde,
Wie sehr ihr grob und giftig grollt;
Bevölkert Himmel auch und Erde
So scheußlich, wie ihr immer wollt!
Und mögt ihr keine Schönheit schildern
Und sucht die tristen Winkel nur,
So schau' ich halt von euren Bildern
Dankbaren Blicks - in die Natur.
Und wenn der Abend dann die leisen
Und wunderzarten Farben flicht,
So will ich Euren Pinsel preisen,
Doch euer Auge - neid' ich nicht!


  Rudolf Presber . 1868 - 1935






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