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Detlev von Liliencron
Neue Gedichte . 1. Auflage 1893



Seine Hoheit auf absonderlichen Wegen

Ich war einmal, wie's jede ist,
Ein junges Ding mit Lieb und List,
Und war ein hübscher, schmucker Fratz,
Hatte heißes Blut, hatte manchen Schatz,
Und wie mirs paßte, wer mir gefiel,
Den lud ich ein zum Schäferspiel.

Eines Tages bändelt' ich an
Mit einem ernsten, vornehmen Mann.
Sein Gang war stolz, hatte feine Manieren,
Und den ich nur ungern that verlieren.
Er sprach: Hör', Evchen, es ist mir gleich,
Wen du gestern zogst in dein Himmelreich,
Wer morgen deine Gunst wird genießen,
Wahrhaftig, kein Jota wirds mich verdrießen.
Ich komme wieder; ein Telegramm: wann,
Zeigt immer dir meine Ankunft an.

"Ich komme, erwarte mich Punkt acht Uhr,
Die besten Grüße, le Prince de l'Amour."
Und so geschahs, bald Wochen, bald Tage
Lagen dazwischen, er kam mit dem Schlage.

Zuerst dann ging er mit mir soupieren,
Kaufte mir Blumen, und amüsieren
Mußt' ich mich, wie mir grade der Sinn
Stand nach diesem und jenem hin.
Ach, und die Nacht! er küßte mich tot,
Glückselig war meiner Liebe Not.
Nahm er Abschied, ließ seine Hand
Mir lächelnd zurück ein goldenes Pfand:
Hier, Kleine, für den Lebensquark,
Bis zum nächsten Kuß reichen fünfhundert Mark.

Und, durch seine gütigen Spenden,
Es mußte mein Schicksal zum Bessern sich wenden.
Ich bewohnte zwei ruhige, freundliche Zimmer
In guter Gegend, mit Schimmer und Flimmer.
Und längst schon liebt' ich nur ihn allein,
Wie schlug mir der Puls, gedacht' ich sein.

Nur krochs wie Kröten mir durch die Brust:
Ich war ihm nichts als ein Mädel der Lust.
Es fraß mir ins Herz, hört' ich sein Lachen:
Es sind mir wirklich gleichgiltige Sachen,
Wer gestern dir die Schleppe trug
Und dir zu Ehren sein Pfauenrad schlug,
Wer morgen bei dir zu Gaste ist,
Du bist mir das nur, was du bist.

Ich hielt mich nicht länger, ich fiel ihm zu Füßen,
Und fleht' ihn an: Laß michs nicht büßen.
Und ich preßt' an seine Knie' meine Stirne:
Ich bin ja nur deine, nur deine Dirne.
Und aus meinem Jammer ward leises Gewimmer,
Und Gräberstille durchzog das Zimmer,
Und er antwortete traurig: Schönes Kind,
Die Lieb' ist wie Wellen sind und Wind,
Der Liebe Gräßlichkeiten und Grauen
Muß ich tagtäglich unzählig oft schauen,
Ihre Qualen, ihr Quälen nach eilenden Wonnen,
Ihr Ende, nachdem sie kaum begonnen.
Ich kenne sie, darum gefiel
Bei dir mir einmal ein ander Ziel:
Gleich von der Tafel die Kreide wischend,
Daß kein Restchen bleibt, das nenn' ich erfrischend.
Lebwohl, dein Gebettel schmerzt meinen Ohren,
Was, willst auch du mich machen zum Thoren?
Nie siehst du je wieder von mir eine Spur,
Ich war die Liebe, le Prince de l'Amour.


  Detlev von Liliencron . 1844 - 1909






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