Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Requiem aeternam dona ei
162 Bücher



Arthur Fitger
Requiem aeternam dona ei . 1. Auflage 1894



Nebukadnezar

                                                     Daniel, Kap. 4.

Ein Garten rings das Land! Das Horn des Ueberflusses,
Verschwend'risch ladet es zur Fülle des Genusses,
Zu ewigen Feiertagen ein.
Der Acker wogt in Gold, und feiste Herden drängen
Durch Obstgelände sich an saft'gen Wiesenhängen,
Und jede Kelter trieft von Wein.

Gen Himmel ragt die Stadt mit Tempeln und Palästen
Und hundertsprachig summt von Bürgern und von Gästen
Der Hafen und der Markt; und in Bazaren blinkt,
Was Ophir's Strand erzeugt, was Tyrus Küsten sandten,
Was aus dem Inderland herschleppten die Elefanten
Und Chinas Karawane bringt.

O Fürst, du bannst das Glück an deinen Herrscherwagen,
Den Kranz in jeder Schlacht hast du davongetragen,
Dein Scepter schlägt den Quell aus todtem Felsgestein.
Du rufst, und Manna fällt; du redest, da gesunden
Die Fieberkranken, da verharschen Brand und Wunden,
Du musst der Götterliebling sein.

*

Es nachtet; das Gewühl der Gassen mag verschnaufen;
Nur Hunde kratzen noch mit Gier an Kehrichthaufen
Und streifen schnopernd um den trägen Gossenlauf;
Was aber schleicht geduckt im Schatten wie ein lungernd
Gespenst dort von der Burg zum Markt und stöbert hungernd
Abfall von Kraut und Früchten auf?

Ein Hermelin verhüllt die abgezehrten Glieder,
Aus wüsten Locken hängt die Königsbinde nieder,
Und in den Augen flammt des Wahnsinns irre Gluth.
O sieh nun wie der Zahn, grässlichen Frass zu nagen,
In faulen Blättern wühlt, an Wegwurf mit Behagen
Des Hungers nun sich gütlich thut!

Von hundert Schüsseln wallt der Duft im Speisesaale
Umsonst, umsonst erglüht der Wein im Goldpokale,
Mit Tollheit blendet ihn ein Gott;
Sein Ekel ist der Schenk; der Truchsess ist sein Grausen;
Er flieht und hungert, bis, wo die Harpyien hausen,
Er Atzung sucht im Gassenkot.

Mit Hunden reisst er dort sich um die üble Beute,
Und aus den Schenken lärmt, noch roher als die Meute,
Ein trunk'ner Schwarm, der nicht sein Königsantlitz kennt,
Mit Steinwurf und mit Schimpf den tollen Mann misshandelt; -
O fühl's, warum er scheu so tief im Dunkeln wandelt,
Warum so heiss die Wang' ihm brennt.

Längst heilte ja das Grab die unerhörten Schmerzen;
Allein die Noth gebeut dem liebegrossen Herzen,
Dass es zum Leben sich verdammt;
"In deinen Händen ruht das ganze Glück der Deinen,
Harr' aus und trage! - Sieh´ im Ost das Frühroth scheinen
Und geh' an dein erhab'nes Amt!"

"Im Bade spül' hinweg die Spur der Nacht und winde
Um dein gesalbtes Haupt die reine Königsbinde,
Schon drängt das Volk, dich auf dem Thron zu seh'n:
Du bannst des Reiches Glück an deinen Herscherwagen,
Den Kranz in jeder Schlacht hast du davongetragen,
Und niemand kann in's Herz dir späh'n!"


  Arthur Fitger . 1840 - 1909






Gedicht: Nebukadnezar

Expressionisten
Dichter abc



Fitger
Fahrendes Volk
Requiem

Intern
Fehler melden!
AGB

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet







Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Nebukadnezar, Arthur Fitger