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Gedichte, Lyrik, Poesie

Requiem aeternam dona ei
162 Bücher



Arthur Fitger
Requiem aeternam dona ei . 1. Auflage 1894



An die Hoffnung

Die du zum Kranze dir den Regenbogen webst
Und über'm Schlund der Nacht auf Morgenflügeln schwebst,
Ich rufe dich, o Hoffnung, kehre,
O kehre wieder ein in dies verarmte Herz,
O hebe dieses Aug' aufs Neue himmelwärts
Und trockne seine heisse Zähre ;
Die du der Teufelsqual den Trost der Engel bringst,
Wer lebt dies Leben noch, wenn du ihm untergingst?

Du knüpfst den Scheiternden an den gebrochnen Mast,
Wenn mit den Mörderklaun die See sein Schiff gefasst,
Und alle Planken berstend krachen;
Du hältst im Tauwerk ihn, dran schon die Hand erstarrt,
Dass er noch Tagelang, noch lange Nächte harrt,
Auf Bettung harrt im Todesrachen,
Auf Rettung, lung're gleich schon auf, den Frass der Hai,
Auf Rettung, kreische gleich Triumph der Möve Schrei.

Dem todeswunden Mann auf nächtigem Schlachtgefild,
Dem auch kein Tröpflein Tau des Durstes Wahnsinn stillt,
Schärfst du den Blick nach allen Seiten,
Stärkst du die Brust zum Ruf, ob nicht durch Blut und Pest
Hülfreich das rote Kreuz sein Banner flattern lässt,
Ob Götter nicht ein Heil bereiten.
Und heisst sein rinnend Blut dich scheiden, schliessest du
Barmherzig wie zum Schlaf das müde Aug ihm zu.

Dem Greise, der am Ziel ausruht und lebenssatt
Hinabschaut in die Nacht der letzten Lagerstatt,
Spielt noch ums Haupt dein Zaubersegen;
Du führst durch Finsterniss von Grab und Staub und Tod
Mit Rosenfingern ihm ein blasses Morgenrot
Jenseits des Acheron entgegen;
Wie um Mittsommernacht die goldne Flut des Lichts
Sinkst du im West und tauchst schon auf im Ost des Nichts.

Wo sich ein Fuss verirrt, du sendest deinen Stern,
Und wo ein Herze brach, du heilst es - ach wie gern,
Und von der Brandstatt steigst aufs Neue
Ein Phönix du empor. Da alle Götter flohn,
Und Wüste ward die Welt, hieltest dem armen Sohn
Des Staubes du allein die Treue;
Und was Kronion ihm auf eherner Wag' auch wägt,
Mitleidig hast du ihm die Bind' ums Haupt gelegt.

Nur ich, Verfluchtester, ich starre klaren Blicks
Die Weberinnen an am Webstuhl des Geschicks:
Ich weiss: der Hai wird mich verschlingen,
Ich weiss: mein Lebensblut versickert in den Sand,
Ich weiss: jenseits des Styx wird in ein gastlich Land
Mich nie der schwarze Nachen bringen;
Und zähneklappernd heult mir die Verzweiflung zu:
Wenn dir die Hoffnung starb, o Mensch, was lebst dann du?


  Arthur Fitger . 1840 - 1909






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