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Fahrendes Volk
162 Bücher



Arthur Fitger
Fahrendes Volk . 3. Auflage (vermutlich) 1890



Weinlese

Aus den Weingeländen grüßen
Böllersalven und Racketen,
Und mit taktbeschwingten Füßen
Eilt die Winzerschaar, der süßen
Trauben Fülle zu zertreten.

Durch die Reben, durch die Ranken
Tönt es fern von silberhellen
Festgesängen, Fahnen schwanken
Und ein hundertstimmig Danken
Strömt aus Kirchen und Kapellen.

Kränze gar und bunte Bänder
Schlingen freundlich sich um's bleiche
Crucifix wie Festgewänder,
Und zum freud'gen Lebensspender
Wird dem Volk die arme Leiche.

Wie die Dornen auf dem Haupte
Hinter goldnen Trauben schwinden!
Wie um Brust und blutberaubte
Händ' und Füße dichtbelaubte
Fruchtgehänge reich sich winden!

Die Mysterien, die alten,
Von Eleusis kehren wieder;
Und, Natur, dein ewig Walten
Preisen, wie die längstverhallten,
Dieses Tages jüngste Lieder.

Jeglich Dogma, drauf die Pfaffen
Als des Himmels Eckstein schwören,
Wird der Strom der Zeit entraffen;
Doch das Volk erkennt im Schaffen
Stets den Gott und im Zerstören.

Seine Geister sieht es hausen
Im Gebären, im Begraben,
In des Wintersturmes Brausen,
In des Lenzes sanftem Sausen,
In des Herbstes goldnen Gaben.

Nimmer in des Tempels Hallen
Stimm' ich ein in's Miserere;
Aber heut' bei Flötenschallen,
Gott-Natur, sing' ich mit Allen
Laut den Hymnus deiner Ehre.


  Arthur Fitger . 1840 - 1909






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