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Gedichte, Lyrik, Poesie

Fahrendes Volk
162 Bücher



Arthur Fitger
Fahrendes Volk . 3. Auflage (vermutlich) 1890



Kleines Volk

Nun spannt der Lenz sein blaues Zelt
Ueber die blühende Erde,
Da schwingt der goldgelockte Held
Gewappnet sich zu Pferde.
Wie schmetternd jauchzt sein Jubelruf!
Wie rauscht des Mantels Seide!
Wie jagt dahin des Rosses Huf
Donnernd über die Haide!

"Wo weint ein Jungfräulein im Thurm
Bei Räubern und bei Riesen?
Wo liegt der giftgeschwoll'ne Wurm?
Sein Blut soll balde fließen!"
Und als er kam zum finst'ren Tann,
Der Sturm erhub die Flügel,
Da sprang ein schwarzer Wichtelmann
Dem Rappen in die Zügel.

Da kroch's hervor aus Sumpf und Rohr -
Wimmelndes, kleines Gelichter:
,Du Drachenzwinger, junger Thor,
Streit bieten dir die Wichter!'
Das war ein Kreischen, ein Gekrächz,
Heulen, Zischen und Toben;
Hei, wie vom Schwerte links und rechts
Die Unholde zerstoben!

Er ritt fürbaß; der Koboldschwarm
Umschwirrt' ihn im Geleite.
So schwer die Klinge, matt der Arm,
Und nimmer Rast vom Streite.
Er ritt fürbaß die Kreuz und Quer,
Die Waldnacht will nicht enden;
"Wird denn der Morgen nimmermehr
Die güldnen Strahlen senden?"

Du hoffst auf morgen? Thor, o schau'
Nach deines Hauptes Locken!
Der Schädel kahl, der Bart ist grau,
Der Atem bleibt dir stocken.
Denkst du, daß noch den Riesensieg
Die welke Hand vollendet?
Dein Leben ward im Zwergenkrieg
Im ruhmlosen, verschwendet.


  Arthur Fitger . 1840 - 1909






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