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Gedichte, Lyrik, Poesie

Fahrendes Volk
162 Bücher



Arthur Fitger
Fahrendes Volk . 3. Auflage (vermutlich) 1890



Festlieder zur Dürer-Feier

des Bremer Künstler-Vereins.
20. Mai 1871.


I.
Ritter, Tod und Teufel.

Durch Gebirges finstre Gründe
Reit' ich in die Nacht hinein;
Nebel tanzen um die Schlünde,
Und der Mond verbirgt den Schein;
Um mich her ein bänglich Grauen,
Doch im Geiste flammt es licht:
Meiner Kraft will ich vertrauen,
Daß sie Bahn durch's Dunkel bricht.

Aber da! Welch ein Geselle,
Der gespenstisch mich bedroht?
Und noch Einer schwebt zur Stelle -
Dort der Teufel, hier der Tod.
Schaudre nicht, mein Roß, und schreite
Mutig vorwärts durch die Nacht;
Das dämonische Geleite,
Ueber uns hat es nicht Macht.

Böse Feinde, kommt die Stunde,
Da ich euch verfallen muß,
Sei es drum; doch keine Kunde
Heisch' ich von des Schicksals Schluß.
Unentrinnbar euch verpfändet
Bin ich einst im schwarzen Schrein;
Doch noch hab' ich nicht vollendet,
Und dies Leben selbst ist mein.


II.
Wanderschaft.

Ich bin ein jung, jung Malergesell
Und ziehe hinaus in die Welt
Und sing' mit den Lerchen laut und hell
Im maiengrünen Feld.

Mein Ranzen ist nicht allzuschwer,
Kein Geldsack drückt mich nit.
Fortuna, lauf' Sie nicht so sehr
Und halt' Sie wacker Schritt.

Allein Fortuna läuft so schnell
Und schaut mich gar nicht an. -
So wiss' denn, daß ein Malergesell
Dich auch entbehren kann.

Herr Wirt, 'ne Kanne Malvasier
Und einen Weißbrodlaib!
Und statt Bezahlung porträtir'
Ich Euch sammt Eurem Weib.

Und habt Ihr noch ein Töchterlein,
Das macht mir kein'n Verdruß;
Auch sie soll abgemalet sein
Für einen zücht'gen Kuß.

So zieh' ich durch die weite Welt
In's Elsaß über den Rhein;
Kein Leben, das mir mehr gefällt,
Als Malergesell zu sein.


III.
Das Rhinoceros.
(Kupferstich von Albrecht Dürer.)

Was stampfet schildkrötengestaltig
Auf niederträchtigem Bein?
Ein Panzer deckt es gewaltig,
Das muß ein Rhinoceros sein.
Das Haupt ist geformt wie 'ne Zwiebel,
Die Nase ist hörnergeschmückt;
Dem Elephanten wird übel,
Sobald er das Unthier erblickt.

Das Thier ist von schlechtem Charakter,
Der jeden Moralsatz vergißt,
Voll Unverschämtheit, ein nackter,
Gemütloser Egoist;
Denn rein zu seinem Plaisire
Begeht es den häßlichen Brauch
Und schlitzet dem Nebenthiere
Mit der Nase ein Loch in den Bauch.

Doch endlich nahet die Strafe,
Es rächt sich auf Erden die Schuld!
Und Albrecht Dürer, der Brave,
Der malte das Thier mit Geduld;
Er conterfeit' es getreulich
In all' seiner Scheußlichkeit,
Und er vermachte sein greulich
Porträt der folgenden Zeit.

Drum soll sich Jedermann hüten
Und nie ein Rhinoceros sein,
Und nie mit gefühllosem Wüten
Am Bauchaufschlitzen sich freun.
Doch ist von Natur er verwildert
Rhinocerosmäßig, - dann hält
Der Künstler Gericht, und er schildert
Sein Abbild der lachenden Welt.


  Arthur Fitger . 1840 - 1909






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