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Gedichte, Lyrik, Poesie

Fahrendes Volk
162 Bücher



Arthur Fitger
Fahrendes Volk . 3. Auflage (vermutlich) 1890



XVIII.

Die Thürme sind verändert,
Verändert ist das Thor;
Ein andrer Zöllner schlendert
An's Schalterloch hervor.

Die Gassen sind verbreitert,
Und wo mein Schatz gewohnt,
Das Haus ist hübsch erweitert,
Getüncht und neu gebohnt.

Und fremd lugt aus der Scheibe
Ein fremdes Angesicht;
Ach, nur dem Bettelweibe
Frommt' all' der Wechsel nicht.

Noch hockt sie in der Ecke,
Noch bebt die hohle Hand,
Noch hüllt zerfetzt die Decke
Die Fetzen im Gewand.

Am Munde zucken Falten
Vor Schmerz, der nimmer schlief,
Und auf der Stirn der Alten
Liegt Elend abgrundtief.

Da ich dereinst geschieden,
Mein falsches Lieb, von dir,
Da glaubt' ich, trüg' hienieden
Kein Andrer Leid gleich mir.

Und doch, so wie im Märzen
Im Thale thaut der Schnee,
So schmolz in meinem Herzen,
Wie bald! - mein bißchen Weh.

Du Bettlerin, du blinde,
Mich brennt die heiße Scham,
Vergieb mir eitlem Kinde
Den prahlerischen Gram.


  Arthur Fitger . 1840 - 1909






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Die Thürme sind verändert, Arthur Fitger