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Fahrendes Volk
162 Bücher



Arthur Fitger
Fahrendes Volk . 3. Auflage (vermutlich) 1890



Brautfahrt

Die Stunde kam; bereitet
Ist Alles für die Flucht,
Mein Drachenfahrzeug gleitet
Durch's Wellenspiel der Bucht.
Wach' auf, mein wundersüßes Lieb!
Vor deinem Söller harrt der Dieb,
Beschwichtigt sind die Hunde,
Und Alles schläft zur Stunde."

Das Mägdlein knüpft' die Seile.
Ihr wurde kalt und warm,
Sie glitt herab in Eile
In ihres Buhlen Arm.
,Nun hab' ich in der weiten Welt
Mein Heil auf dich allein gestellt
Und all' mein junges Leben
In deine Hand gegeben.'

Die dunklen Wogen schlagen,
Die See geht hoch und schwer,
Und regentriefend jagen
Die Wolken drüber her.
Der weite Strand so kalt und fahl,
Nun birgt der Mond den letzten Strahl:
"Mein Lieb, ergreift dich Schaudern,
Und willst du zagend zaudern?

Gereut es dich, zu fliehen
Aus deines Vaters Haus?
Gereut es dich, zu ziehen
Auf's öde Meer hinaus?
Ich bin daheim auf armem Riff,
Mein Gut ist Schwert und Drachenschiff,
Die sturmgetrieb'nen Wellen
Sind meine Dienstgesellen."

,Wie magst du thöricht sprechen?
Ich frei' ja nicht um Gold;
Das Herz müßt' mir zerbrechen,
Wenn ich dich lassen sollt';
Stoß' ab das Fahrzeug, stoß' vom Strand,
Ade, mein nordisch Vaterland!
Nun treib' ich vor den Winden,
Ein neues Heim zu finden.'

Ein flatternd Seegefieder
War all' ihr Brautgeleit;
Und Tag um Tag ging nieder;
Wie weit die Fahrt, wie weit!
Da taucht aus fernem Purpurflor
Ein rauchend Bergeshaupt hervor,
Und helle Städte drängen
Sich an den Felsenhängen.

,Mein Buhle, vielgetreuer,
Wess' ist das schöne Land?
Die Zinnen sind wie Feuer
Im Morgenlicht entbrannt;
Die Dächer scheinen Gold und Stahl,
Und welch ein festlicher Choral
Schwimmt mit des Landes Düften
So lieblich in den Lüften?'

"Dort, wo die Palmen ragen,
Siehst du das gold'ne Haus?
Marmorne Säulen tragen
Die Last des mächt' gen Bau's, -
Da wohnt ein König hochgemut,
Dem eignet all' das reiche Gut;
Kein Falke mag's umkreisen
In sieben Tagereisen.

Hörst du die Glocken läuten?
Siehst du das Volk geschaart?
Willkommen! soll's bedeuten
Dem Herrn nach langer Fahrt.
Nun führt er heim die schönste Frau;
O schau' ihn an, Geliebte, schau',
Er liegt zu deinen Füßen,
Als Königin dich zu grüßen."

,All', was du willst, mein Buhle,
Soll mir das Rechte sein;
Auch auf dem goldnen Stuhle
Bin ich in Treuen dein.
Was überhäufst du Pracht auf Pracht?
Du hast mich selig längst gemacht
Und herrlich ohne Gleichen
In all' der Erde Reichen.'


  Arthur Fitger . 1840 - 1909






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