Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Fahrendes Volk
162 Bücher



Arthur Fitger
Fahrendes Volk . 3. Auflage (vermutlich) 1890



Beata

Wie seufzte die dicke Aebtissin,
Da weckend die Pförtnerin kam;
Wie fuhr sie empor aus den Kissen
Zorneifrig in heiliger Scham:
"Bei nächtlicher Weile
Am schwankenden Seile
Thät Schwester Beata entweichen;
Noch hanget die Leiter als Zeichen."

Nach donnert der flüchtigen Dame
Der Bischof den ewigen Fluch:
,Vertilgt sei, vergessen dein Name
In Gottes lebendigem Buch!
Vermaledeite,
Der Hölle Geweihte,
Fahr' nieder zum flammenden Pfuhle,
Fahr' nieder, und mit dir dein Buhle!'

Die Sterbeglocken erdröhnen,
Die Kerzen verlöschen in Nacht;
Doch draußen, wie lieblich verhöhnen
Maiglocken in duftiger Pracht
Den Bannfluch, den wilden!
Auf allen Gefilden
Die Vögelein tandaradeien:
Wie süß ist's im Maien zu Zweien!

"Ach Ostern, du selige Feier,
Da ich aus dem Kloster erstand!
Nun flatt're von dannen, mein Schleier,
Schwimm' hin, du mein schwarzes Gewand,
Und grüße die Schwestern!
Begraben noch gestern,
Herztausiger Schatz, und heute
Die jubelvollste der Bräute."

Wie seufzte die dicke Aebtissin,
Da weckend die Pförtnerin kam;
Wie fuhr sie empor aus den Kissen,
Da schaudernd die Mär sie vernahm:
"Der Feind ist gekommen,
Die Stadt ist genommen!
Schon seh'n wir mit Sengen und Brennen
Die Wilden das Kloster berennen."

,O schirme vor Männerumarmung
Die Herde! Der Hirtin allein,
Sanctissima, gönn' in Erbarmung,
Für Alle das Opfer zu sein.'
Die Nonnen dagegen:
"Nein! uns gieb den Segen,
Als Lämmlein dem Feind zu verfallen;
Nur schirme die Hirtin vor Allen."

Schon bersten, vom Sturmbock zerschmettert,
Die Mauern und stürzen zu Thal,
Und hüben und drüben erklettert
Ein Haufe den zitternden Saal. -
Doch plötzlich - Fanfaren!
Und jäh in die Schaaren,
Die feindlichen, werfen sich sieben
Jünglinge mit prasselnden Hieben.

Das gab nun ein Knixen, Scherwenzen,
Als endlich der Dränger zerstob,
Und edelsten Wein zu kredenzen,
Den Kelch die Aebtissin erhob. -
"Spart Dank Euch und Futter!
Uns sandte die Mutter
Zu ritterlich helfendem Amte,
Beata, die weiland Verdammte."


  Arthur Fitger . 1840 - 1909






Gedicht: Beata

Expressionisten
Dichter abc



Fitger
Fahrendes Volk
Requiem

Intern
Fehler melden!
AGB

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet







Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Beata, Arthur Fitger