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Gedichte, Lyrik, Poesie

Mit dem Leben
162 Bücher



Gustav Falke
Mit dem Leben . 1. Auflage 1899



Der Kletterer

Herbstmorgen, klar und mild, aus gutem Traum
Hast du, ein wenig früh, mich aufgeweckt.
Ich fand mich unter einem Kirschenbaum,
Die Hand nach seinen Früchten ausgestreckt.

Ein Knirps war ich, wie ich als Knabe war,
Und ach, zu hoch hing mir die süße Frucht.
Da kam ein Wind. Fast packt ich, um ein Haar,
Den schlanken Zweig, da war er auf der Flucht.

Schon wollt ich weinen, als vom Baum herab
Ein Vogel pfiff. Als ich nach oben sah,
Pickt er sich grad die schönsten Kirschen ab.
Ich warf nach ihm. Er pfiff nur und blieb da.

Du! rief ich böse, hätt' ich Flügel nur!
Doch wart, ich hab sie. Und im Zorn umfing
Den glatten Stamm ich, mit dem stillen Schwur:
Du kommst hinauf! Und welche Lust! Es ging!

Schon schwang ich mich ins grüne Laub hinein,
Der freche Vogel floh mit hellem Schrei.
Hurrah! Nun sind die Kirschen alle mein!
Schon wollt ich schmausen, o, da war's vorbei.

Nun lieg ich lächelnd halb und halb betrübt,
Und denk des Traums. Es war so wundersam,
Als mir, der nie im Klettern sich geübt,
Plötzlich die Kraft zu meinem Willen kam.

Hätt' nicht der Wind mit schlankem Zweig geneckt,
Spottvogel nicht gereizt, es hätt' die Gier
Umsonst den kleinen Hungerhals gereckt. -
Jetzt, Herbst, zeig deine höchsten Früchte mir.


  Gustav Falke . 1853 - 1916






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