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Frohe Fracht
162 Bücher



Gustav Falke
Frohe Fracht . 1. Auflage 1907



Schelmkönig

Er ist ein Schelm, wer ist es nicht?
Der Schelme gibts die Menge.
Dem einen liest mans am Gesicht,
Stellt er sich noch so strenge,
Dem andern läuft ein Wörtchen quer,
Er kanns nicht mehr verstecken.
Ach je, der Schelme gibt es mehr
Als zehn in jedem Flecken.
Und ich und du,
Auf leichtem Schuh,
Wir zählen beide auch dazu.

Von allen Schelmen, die da sind,
Mehr kann ich keinen lieben.
Er war seines Vaters schlimmstes Kind,
Der auch ein Schelm geblieben.
Früh lief er aus des Alten Zucht
Und ließ sein Glöckchen klingen;
Wers nicht auf eigne Hand versucht
Wirds nie zu etwas bringen.
Und ich und du,
Auf leichtem Schuh,
Wir stimmen diesem Schelmen zu.

So lief er denn landaus landein,
Und triebs auf seine Weise,
Fing sich im Sturm die Herzen ein,
Denn Schelmen stehn im Preise,
Gott hielt ihn stets bei leichtem Blut,
Verzieh ihm oft in Gnaden,
Der Teufel blieb ihm gleichfalls gut,
So kam er nicht zu Schaden.
Und ich und du,
Auf leichtem Schuh,
Wir gönnens ihm und mehr dazu.

In einer Nacht, die Schelmen all,
Sie gaben sich Parole,
Draus wurd ein lustger Mondscheinball
Und auf verschlißner Sohle.
Der Galgen schlug mit seinem Arm
Den Takt zu ihrem Reigen,
Da sprangen sie sich müd und warm,
Und ohne Flöt und Geigen.
Und ich und du,
Auf leichtem Schuh,
Wir sprängen gerne auch dazu.

Und als es war zu End gehüpft,
Wer es am besten machte,
Der wurde jubelnd aufgeknüpft,
Hing zappelnd da und lachte.
Doch eh er könnt am letzten sein,
Sie holten ihn herunter:
Du sollst nun unser König sein,
Regiere lang und munter.
Und ich und du,
Auf leichtem Schuh,
Wir schrein ihm auch ein Vivat zu.

Jüngst hat er sich, ich weiß nicht wo,
Wie mir ein Schelm vertraute,
Ein Haus erbaut aus grünem Stroh,
Wies noch kein König baute.
Ein Wässerlein aus rotem Wein
Rauscht dicht vor seinem Türchen,
Gebratne Fische gleich darein,
Die sitzen schon am Schnürchen.
Und ich und du,
Auf leichtem Schuh,
Wir fehlen noch als Gast dazu.

Wo aber wird sein Schlößchen sein?
Wir gingen gern zu Hofe,
Und dienten ihm bei Fisch und Wein
Mit mancher Schelmenstrophe.
Vielleicht die nächste Schelmennacht,
Wir lustigen Barone,
Wir habens auch so weit gebracht
Und springen um die Krone.
Denn ich und du,
Auf leichtem Schuh,
Sind beide Schelm genug dazu.


  Gustav Falke . 1853 - 1916






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