Gedichte.eu Impressum    

Gedichte, Lyrik, Poesie

Frohe Fracht
162 Bücher



Gustav Falke
Frohe Fracht . 1. Auflage 1907



Likendeelers

"Vitalienbrüder! Ahoi! Unser Glück!"
Gluck - gluck. Leer war der Humpen.
Störtebecker lehnt sich schmunzelnd zurück,
Klaus Störtebecker läßt sich nicht lumpen.
Beim Wein nicht und nicht beim Blut,
Schlägt eine Klinge gut,
Kann sich ihm niemand vergleichen
In den nordischen Reichen.
"Prost, Brüder! Wir singen mal eins!"

Sie singen, daß es den Strand längs schallt,
Seeüber und bis in die Elbe.
Störtebeckers wilder Langbart wallt
Auf den Tisch fast, der feuergelbe.
Er kämmt ihn mit krummer Hand,
Sucht dann des Bechers Rand:
"Ahoi! Hamburg soll leben!
Die bunte Kuh soll Milch uns geben!
Prost, Brüder! Wir melken sie fein!"

Bei Helgoland lagen sie, Hulk an Hulk.
Doch der Wind hats den Hansen verraten.
"Die lungern da nicht aus Uz und Ulk,
Der Klaus sinnt wieder auf Taten.
Rauchwaren, edle Fracht,
Nähm er gern über Nacht.
Gut! Mit unsern Hulken und Koggen
Wolln wir ihn locken.
Da soll er wohl empfangen sein."

Die Westersee rauscht um den roten Stein,
Schäumt wild um Strand und Klippen.
"Herr Hauptmann, das müssen die Hamburger sein."
"Auf! und der Kuh in die Rippen!
Stellt sie! Packt sie beim Horn!
Bunte Kuh, jetzt bist du verlorn!
Die Likendeelers melken dich heute.
Ahoi, Leute!
Schlagt die Hamburger Kähne kurz und klein."

Alle Wetter! Was führen die Hansen für Fracht?
Steinbüchsen und blanke Beile?
Das ist ja die ganze Hamburger Macht!
Die wollen Krieg und Keile.
Keine Kogge läuft quer,
Rauschen alle gradher.
Und die Kuh, welch Erbosen,
Das Biest will stoßen!
Krach! Da fährt ihr Horn schon herein.

"Gottes Freund und aller Welt Feind!
Entert sie! Holt euch den Speck jetzt!"
Doch Simon von Utrecht hats gut gemeint.
Verdammt! Die Schute wird leck jetzt.
Übergesegelt. Nur Planken und Trumm.
Die bunte Kuh rennt alles um.
Hansischer Hornstoß, kracht der!
Herr Klaus stürzt kopfüber vom Achter.
Störtebecker, fallt euch nichts kurz und klein!

Aber Herr Störtebecker hört nichts mehr,
Alle Sinne vergingen dem Ritter.
Der halbe Fockmast fiel hinter ihm her,
Wanten und Spanten und Splitter.
Die Hansen herauf
Und heben ihn auf:
"Guten Tag, Herr Klaus, seid willkommen!
Habt ihr Schaden genommen?
In Hamburg sollt ihr kurieret sein."

Die Hamburger recken die Hälse sich aus:
Seeräuber, über zweihundert.
Sie steigen aus den Schuten heraus,
Gefesselt, zerzaust und zerzundert.
Wilde Gesellen, Prachtkerle dabei,
Ritterbürtige, stolz und frei.
Einer schreitet noch stolzer und kecker,
Das ist der Störtebecker.
Sein Rotbart flimmert wie Flammenschein.

"Vitalienbrüder! Unser Glück! Ahoi!
Mal mußt es der Wind verwehen.
Aber wir wollen nun ohne Reu
In den sichern Tod eingehen.
Likendeelers, gleich und gleich,
Teilen wir uns in das himmlische Reich.
Für all unser Schröpfen
Tut man uns köpfen.
Das kann nun nicht wohl anders sein."


  Gustav Falke . 1853 - 1916






Gedicht: Likendeelers

Expressionisten
Dichter abc



Falke
Mynheer der Tod
Mit dem Leben
Hohe Sommertage
Frohe Fracht
Das Leben lebt

Intern
Fehler melden!
AGB

Internet
Literatur und Kultur
Autorenseiten
Internet







Partnerlinks: Internet


Gedichte.eu - copyright © 2008 - 2009, camo & pfeiffer

Likendeelers, Gustav Falke