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Gedichte, Lyrik, Poesie

Frohe Fracht
162 Bücher



Gustav Falke
Frohe Fracht . 1. Auflage 1907



Die Brüder

Zwei Brüder schnitten, Schlag auf Schlag,
Des Vaters Feld an heißem Tag.

Ein jeder tats dem ändern gleich
Mit rechtem Schwung und sichrem Streich.

Nun trinken sie in Schattenruh
Beim Mittagsmahl sich freundlich zu.

Sie haben mit vereinter Kraft
Ein tüchtig Tagwerk halb geschafft.

"Man sieht nicht, wers am besten kann,"
Hebt scherzend da der Jüngste an.

"So Mäht an Mäht gemessen, schau -
Ich wett, die Halmzahl stimmt genau."

Worauf der Ältere lacht: "Ganz recht,
Vaters Söhne mähen nicht schlecht.

Und doch, käm es drauf an, ich mein,
Ich müßt von uns der schnellere sein."

"Es gilt!" klingts frohgemut zurück.
"Ich halts! Versuchen wir das Glück."

Und wie dem kecken Wort zum Sporn
Fegt jäh ein Windstoß durch das Korn. -

Ein letzter Schluck, ein letzter Scherz,
Und wieder senst und sirrt das Erz.

Die Schwaden fallen Schlag auf Schlag,
Wers wohl am schnellsten zwingen mag?

Erst wird noch mancher Blick getauscht,
Manch neckend Wort - der Roggen rauscht.

Das Wort verstummt, die Augen sehn
Nur noch aufs Ziel. Wer wird bestehn?

So schaffen sie in stummer Hast,
Der Tag verrinnt mit Glut und Glast.

Es tropft der Schweiß, die Sense fliegt,
Der Ältere sieht, er unterliegt.

Zehn Schläge nur, doch sind es zehn.
Er siehts und grollt, und wills nicht sehn.

Könnt er nur scherzen. Doch mißlingts.
Könnt er nur lachen. Höhnisch klingts.

Wort reizt Wort. Zorn reizt Zorn.
Verschüttet schweigt der Liebe Born.

Und eh die Sonne ganz erlischt,
Blitzt noch einmal der Stahl und zischt,

Und eh die letzte Glut verloht,
Färbt sich die Erde blutigrot,

Und Abel liegt am Boden, bleich,
Gefällt von Bruder Kains Streich.


  Gustav Falke . 1853 - 1916






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