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Frohe Fracht
162 Bücher



Gustav Falke
Frohe Fracht . 1. Auflage 1907



Der Bauer und sein Hund

Ein Bauer halt, ein braver Mann,
Einst seinen besten Hund verloren.
Betrübt sah er den toten Karo an,
Kraute noch einmal ihm die braunen Ohren
Und strich das blanke Fell ihm sacht,
Wie mans bei etwas Liebem macht.
"Du treues Vieh,
Ich finde nie
So einen guten Karo wieder.
Ach, mancher Mensch ist nicht so gut wie du
Und sieht doch stolz auf seinen Hund hernieder.
Ja, du verdientest wahrlich dir die Ruh
Und mehr ein Grab dir in geweihter Erde,
Als Kunz, der sich mit frömmelnder Geberde
Den besten Platz nah bei der Kirch erschlich.
Doch ihm zum Tort will ich noch heute dich
In seiner nächsten Näh begraben,
So gut als er sollst du es auch noch haben.
Und weckt euch dann der jüngste Tag,
Ei, wie sich Kunz entsetzen mag,
Wenn du ihn stellst
Und munter bellst.
Schnapp, Karo, dann, kanns ihm auch nicht mehr schaden,
Zum Spaß noch mal nach seinen seligen Waden."

Gesagt, getan. Der Bauer senkte
Den Karo dicht bei Kunzen ein,
Und gings nach ihm, bei Gott, er schenkte
Ihm auch noch einen Leichenstein,
Doch dieses Stück durft er nicht wagen,
Der Pfarrer nähm ihn schön beim Kragen,
Doch ohne Stein auch sprach sichs aus;
Der Bauer wurd zum Pfarr befohlen,
Er soll den Hund sich wiederholen,
Sonst zog der Teufel Vorteil draus.

"Ehrwürden", sprach der biedere Landmann da.
"Die Kirchhofsordnung hat, ich weiß es ja,
Auf solchen Fall nicht vorgesehen.
Doch mein ich, müßt es dennoch gehen.
Denn diesen Hund, vielleicht ist er schon oben,
Ihn wird selbst unser Herrgott loben.
Er war nicht treu allein, er war auch fromm,
Ja, wirklich fromm, wies Kunz kaum je gewesen.
Denn als er fühlte, daß er sterben mußt,
Nahm er beim Rockschoß mich und zerrte: Komm!
Ich konnts ihm aus den Augen lesen,
Er war sich seines Tuns bewußt.
Und wohin, glaubt Ihr wohl, daß mich der Karo zog?
Zum Kassenschrank! So wahr ich niemals log,
Zum Kassenschrank. Dann auf das Pfarrhaus hier,
Dann auf den Kirchhof sah das gute Tier,
Sank um und starb. Was meint Ihr, was er wollte?
Es war sein letzter Wunsch, ich sollte
Die Stollgebühr
Fürs christliche Begräbnis nicht vergessen.
Ganz deutlich war sein Wunsch: Sorg ja dafür.
Indessen
Vergaß ichs doch - der Mensch ist schwach -
Und hols drum heute doppelt nach.
Hier, zählt und bucht es nun für Karos Grab,
Es ist wohl mehr als man für Kunzens gab."

Der Pfarrer sah die blanken Rollen,
Zwei Türmchen, auf dem Tische stehn,
Und muß dem Ding, bei Licht besehn,
In seinem Herzen Beifall zollen.
Jedoch - ein Hund! Indes ein frommer Hund!
Denn wirklich scheint er fromm gewesen,
Man hat schon ähnliches von Hunden wohl gelesen
So stopft der Pfarr sich den Gewissensmund
Und nebenbei die Taler in die Tasche.
"Der Fall, mein Freund, ist ein verzwickter, und -
Man muß ja sagen, Hund bleibt immer Hund.
Indes die Frömmigkeit entscheidet hier.
Der Eure war gewiß ein gottgefällig Tier,
Sanft ruhe seine Asche."


  Gustav Falke . 1853 - 1916






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