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Gedichte, Lyrik, Poesie

Zwei Bücher Liebe
162 Bücher



Georg Busse-Palma
Zwei Bücher Liebe . 1. Auflage 1903



Stefan Losonczy

I

Schwarz wälzen Wolken sich über das Ungarland;
Drohend gen Temesvar reckt sich des Türken Hand.
Öd wird die Ofener Burg, sauer der süßeste Wein -
Wer will nach Temesvar gehn und mein Burggraf sein?

Zögernd fragt es der König, denn das Verderben ist dort.
Zwanzig sieht er erbleichen, heimlich reiten sie fort.
Stefan Losonczy allein steht auf und spricht:
Ob dich auch alle verlassen, ich lass' dich nicht! - -

Hufschlag in schweigender Nacht, Hufschlag im Frührotschein,
Stefan Losonczys Reiter reiten in Temesvar ein.
Aber kaum daß die Glocke geläutet das Ave-Marie,
War wie das Branden der Sturmflut der Feind um sie.

Oben von Türmen und Zinnen das Heerhorn hallt,
Unten das Tal wird von Fahnen ein rauschender Wald,
Unten das Tal wird ein Himmel, wo Mond an Mond
Auf den Standartenstangen und Zelten thront.

Trübe blickt Stefan Losonczy von der Bastei:
Zwanzig stehn gegen einen, bald ist es vorbei.
Stefan Deak, du treuer, komm her und schreib,
Daß wir hier elend verderben, an Elsa, mein Weib.


II

Blind und stumm ist die Nacht. Wacheruf ab und zu,
Durch die Gezelte der Türken schleicht Deak der Heimat zu.
Tod, du fälltest so viele, läßt du den Knaben ziehn?
Ja, der Gott der Getreuen geleitet ihn!

Dreimal hob sich und senkte sich wieder der Sonnenlauf.
Dröhnend weckte der Klopfer den schlafenden Schloßvogt auf.
Elsa Losonczy erwache! Ein Bote ist hier!
Ist es ein Bote aus Temesvar? Dann führt ihn zu mir!

Als sie die Zeilen gelesen, sie weint und spricht:
Hartbedrängt ist der König, der hilft ihm nicht.
Ich will ihm Mannen werben so viel ich vermag.
Reichtum hat noch die Nacht gewiegt, Armut wieg nun den Tag.

Blitzend aus Truhen und Schränken quillt Silber und Gold,
Das in die Hände der Werber und weiter rollt,
Blitzend auf Ketten und Spangen werden viel Perlen gelegt,
Bis auf die Perlen der Trübsal, die sie im Auge trägt.

Als sie dies alles vergeben, Güter und Schlösser desgleich,
Die einst die Reichste im Lande, war nun die Ärmste im Reich.
Aber dreitausend Geworbne, eine gewappnete Schar,
Reiten im grauenden Morgen mit ihr nach Temesvar.


III

Hält eine Handvoll Erde die Sturmflut ein?
Dringt durch Harnisch und Helme ein Kieselstein?
Macht eine einsame Fackel die Nächte licht?
Elsa Losonczy wie diese kannst du es nicht.

Zahllos um Temesvar lagert Achmet mit seinem Bann.
Elsa Losonczys Reiter reiten ihn dennoch an.
Stefan Losonczys Reiter rücken von oben her -
Einmal noch grüßen sich beide, dann nimmermehr.

Erde, was warst du so durstig, Erde, was trankst du so viel?
Erde, du dampfst von dem edelsten Blut! Losonczy fiel!
Langsam steigt aus den Tälern in zögerndem Lauf
Über den Türmen von Temesvar der Halbmond auf.

Tausende lagen am Boden, vergessen sind sie,
Aber die beiden Losonczy vergißt man nie.
Hoch aus dem Dunkel der Vorzeit hebt sie des Dichters Hand,
Weil sie so treu bis zum Tode sich und dem Vaterland!


  Georg Busse-Palma . 1876 - 1915






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