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Erlebte Gedichte
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Otto Julius Bierbaum
Erlebte Gedichte . 2. Auflage 1903



Merkreime für Moralisten

            I.

Die Sittlinge müssen sich immer genieren,
Wenn Einer recht herzhaft von Liebe spricht,
Sie denken halt immer ans - Amüsieren,
An des Räthsels Heiligkeit denken sie nicht.

            II.

Ihr armen Schächer, wie thut ihr mir leid
In eurer Tugend engem Kleid,
Darunter die Triebe zu Krankheiten werden,
Zu bösen Dünsten und allen Beschwerden
Der Leibeslüge und Heuchelei.
Nie seid ihr froh, nie seid ihr frei,
Denn euer Wahn hat zur Sünde verdacht,
Was Creaturen selig macht.
Des Lebens Quell mit Schmutz zu verschlammen,
Tragt alle Unnatur ihr zusammen;
Was fröhlich, rein, lebendig fliesst,
Wird euch und uns zum faulen Bache,
Zur giftigen Sünden-Unken-Lache,
Wenn eure "Moral" hinein ihr giesst.

Oh Jammermissbrauch mit dem Wort!
Was blüht, ist Leben, todt, was dorrt;
Ihr aber streut Salz auf des Lebens Fluren,
Was keimt und treibt, ist euch verhasst,
Dem Leben grabt ihr ohne Rast
Das Grab, ihr "sittlichen" Lemuren.

            III.

Natur, mein Freund, ist immer sittlich.
Der Staatsanwalt freilich ist unerbittlich.
Jüngst hat er ein Andachtsbuch konfiszirt,
Weil sich zwei Fliegen drauf kopulirt.


  Otto Julius Bierbaum . 1865 - 1910






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